Klappentext
Belgrad 1942: Der Tag, an dem das okkupierte Serbien für "judenfrei" erklärt wird, ist der Tag, an dem Isak Ras seinen vielleicht letzten Streifzug durch die Stadt wagt. Er ist auf der Suche nach den Überresten seiner verschütteten Vergangenheit: Was ist vor 21 Jahren geschehen, als Isaks Mutter spurlos verschwand? Hatten die Anarchisten Rosa und Milan damit zu tun? Oder die mysteriösen Doppelgänger, die in der Stadt herumliefen?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.11.2025
Rezensentin Verena Mayer hat Marco Dinic in Wien getroffen und sich von ihm durch die Stadt und ihre Vergangenheit führen lassen, so wie sie auch sein neues Buch gelesen hat: Ohne zu wissen, wohin die verschlungenen Pfade sie führen werden, mit Genuss an Dinics reichhaltiger, "schillernder Sprache" und mit Spannung, Faszination und großem Interesse für all die Fassaden der Gegenwart, und dem, was dahinter steckt - den historischen Schichten, die dieser Autor freilegt und die eigensinnige, aufrichtige Art, mit der er sich dazu in Beziehung setzt. In Wien kommen der in Belgrad geborene Schriftsteller und seine Rezensentin schließlich an einem Haus an, das er als "Anfangspunkt" seiner literarischen Reise im "Buch der Geister" bezeichnet, das Haus der jüdischen Familie einer Freundin. Von hier aus führte sein Weg ihn zu einem ganz bestimmten Datum, erklärt Mayer, ein Tag im Frühjahr 1942, an dem Serbien als judenfrei erklärt wurde. Immer wieder kommt er auf diesen Tag zurück, erzählt davon nicht linear, sondern kreisend und aus verschiedenen Perspektiven, unter anderem auch aus der Sicht eines "Dackels der Geschichte" - eine von Dinics zahlreichen Anspielungen, in diesem Fall auf Walter Benjamins Engel der Geschichte. Hinter den Fassaden der Gegenwart, in den Hinterhöfen, liegt die Geschichte, erklärt Mayer - Marco Dinic ist einer, der die Türen aufstößt, durch die man sich mit dieser Geschichte in "Verbindung setzen" kann und muss.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.09.2025
Rezensent Andreas Platthaus hält es für pures Leseglück, wenn ein Buch nach einem mauen Auftakt, so sehr an Fahrt gewinnt, wie Marko Dinics Roman um einen Schicksalstag seiner Heimatstadt Belgrad im Jahr 1942. Der erste Teil des Textes verärgert den Rezensenten noch mit allerhand Stilblüten, doch der zweite Teil macht die Bemühtheit zu Beginn wett, indem er spannend und komplex, nämlich "psychologisch doppeldeutig" und mit Anleihen bei Milo Dor von der Besetzung durch die Deutschen und der Jagd auf die jugoslawischen Juden erzählt, erklärt uns Platthaus.