Im Jahr 1940 hatte es der schon früh zur nationalsozialistischen Bewegung gestoßene Historiker Ulrich Crämer geschafft: Mit nur 33 Jahren erhielt das SA- und SS-Mitglied eine ordentliche Professur an der Münchner Universität. Nach dem Krieg wurde diese steile Karriere dann allerdings zum Stolperstein. Trotz jahrelangen juristischen Ringens bot ihm die ansonsten oft zu großzügigen vergangenheitspolitischen Schlussstrichen bereite Wiederaufbaugesellschaft keine zweite Chance. Verbittert verbrachte er seine letzten Berufsjahre als Lexikonredakteur beim Brockhaus-Verlag. Der Aufstieg und Fall Crämers ist ein Lehrbeispiel für das heikle Verhältnis von Wissenschaft und Politik im "Dritten Reich". Die Darstellung bietet facettenreiche Einblicke in die Geschichte der Münchner Universität. Dabei werden institutions- und disziplingeschichtliche Aspekte behandelt, personelle Netzwerke in Hochschule und Politik rekonstruiert und bislang vernachlässigte Kapitel akademischer Vergangenheitspolitik ausgeleuchtet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.03.2007
Als "Lehrstück" der Vergangenheitsbewältigung versteht Rezensent Frank-Rutger Hausmann die Geschichte des 1945 entlassenen Geschichtsprofessors und SS-Manns Ulrich Crämer. Nicht um dessen Leistungen als Historiker wie in einer normalen Biografie gehe es deshalb in dieser Studie, sondern um die jahrelangen vergeblichen Prozesse, die Ulrich Crämer geführt habe und um die öffentliche Debatte über das Für und Wider seiner Entlassung. Aber auch die historischen Forschungen Crämers vor und nach 1945 würden von Karsten Jedtlischka in seiner "spannend" geschriebenen und zudem "vorzüglich" dokumentierten Untersuchung analysiert. Hier finde der Autor "deutliche" Worte über die Anpassungsfähigkeit eines Historikers, so der Rezensent, der als Lektor im Brockhaus Verlag das Geschichtsbild vieler Leser geprägt habe.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 28.09.2006
Große Anerkennung zollt Rezensent Berndt Jürgen Wendt dieser Arbeit über den Aufstieg und Fall des Historikers Ulrich Crämer (1907-1992), die Karsten Jedlitschka vorgelegt hat. Er würdigt das Werk als "Pionierstudie", die einen aufschlussreichen Einblick in die Geschichte der Münchner Universität im Dritten Reich und der Bundesrepublik gewährt. Jedlitschka gelingt es seines Erachtens am Beispiel Ulrich Krämers, der als NS-Parteigänger eine steile Karriere machte, die Verschränkungen von Politik und Wissenschaft, die Instrumentalisierung der Geschichtswissenschaften sowie die Wirkungsmacht politischer Netzwerke im Dritten Reich exemplarisch zu verdeutlichen. Überzeugend findet er auch die in den Kontext der akademischen Vergangenheitspolitik der Adenauer-Zeit eingebettete Darstellung von Krämers Bemühungen, nach 1945 wieder Fuß zu fassen. Abschließend weist Wendt darauf hin, dass Jedlitschkas Studie wichtige Anstöße zu einer intensiveren Auseinandersetzung der Münchner Universität mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit gegeben hat.
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