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Karl Kraus, Rosa Luxemburg

Büffelhaut und Kreatur

Die Zerstörung der Natur und das Mitleiden des Satirikers
Cover: Büffelhaut und Kreatur
Friedenauer Presse, Berlin 2009
ISBN 9783932109607
Kartoniert, 30 Seiten, 9,50 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Friedrich Pfäfflin. "Zum Allerschönsten" gehörten Rosa Luxemburgs Briefe aus dem Gefängnis für ihn, gesteht Kraus der Freundin Sidonie Nadherny, als er ihr 1920 die erste Buchausgabe der Luxemburg- Briefe übersendet. Am 28. März 1920 nimmt Karl Kraus in Berlin erstmals einen dieser Briefe in sein Vorlesungsprogramm auf. Im August 1920 protestiert eine Innsbrucker Hofratsgattin gegen Rosa Luxemburgs "larmoyante Beschreibung" einer Züchtigung, die ihrer Ansicht nach auch in der menschlichen Erziehung viel Gutes wirke. Karl Kraus druckt diese Zuschrift "einer Unsentimentalen" in der Fackel ab und nimmt sie in seine Vorlesungen auf - zusammen mit einem Kommentar, dessen Schärfe als politisches Bekenntnis in der Fackel kein Gegenstück kennt.
Die vorliegende Ausgabe versammelt die drei Texte (der Brief Rosa Luxemburgs wird hier allerdings, anders als in der Fackel, ungekürzt wiedergegeben), wie sie Karl Kraus selbst zusammengestellt hat, um vor den nach wie vor herrschenden Kräften, den "Gespenstern", zu warnen, die nach dem Sturz der Monarchie die junge Republik bedrohten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.05.2010

Joachim Kalka schließt sich Karl Kraus' Wunsch an, der zutiefst berührende Brief Rosa Luxemburgs aus dem Gefängnis über die von ihr beobachtete Misshandlung eines Büffels und die kaltschnäuzige Erwiderung einer Adligen möge in die Lesebücher aufgenommen werden Kraus selbst hatte ihn nebst einem wütenden Artikel in der "Fackel" veröffentlicht. Bis dahin stellt ihn aber diese Publikation von Friedrich Pfäfflin mehr als zufrieden, der die drei Dokumente in einem der "schönen Hefte" der Friedenauer Presse herausgegeben hat. Dieses Heft rückt nicht nur die "unglaubliche Schönheit und Bedeutung" der Luxemburg-Briefe wieder ins Gedächtnis, die schon Walter Benjamin so berührt haben, sondern unterstreicht die "Konstellation deutschen Geistes und Ungeistes", die Kraus in seiner scharfen Erwiderung auf den anonymen Brief der Adligen herausgestellt hatte, so Kalka.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.06.2009

Renate Wiggershaus erzählt die Geschichte der beiden nun von Friedrich Pfäfflin mit Anmerkungen und einem Nachwort herausgegebenen Briefe. Den Brief, den Rosa Luxemburg am 24. Dezember 1914 aus dem Gefängnis an Sophie Liebknecht schrieb, ist für Wiggershaus ein beeindruckendes Dokument menschlichen Mitgefühls. Dass Karl Kraus es genauso sah, kann die Rezensentin nun nachlesen. Sein "Fackel"-Kommentar dazu und die schamlose Entgegnung der Ida von Lil-Rastern von Lilienbach machen den Band für Wiggershaus zu einer "aufschlussreichen" wie "nachdenklich stimmenden" Dokumentation, die ihr eine historische Perspektive auf den Kommunismus eröffnet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.05.2009

Sehr verdienstvoll findet es Rezensent Burkhard Müller, dass die Friedenauer Presse schmale, aber wichtige Textdokumente wie die vorliegenden nicht in einer Gesamtausgabe versteckt, sondern als eigenständige Publikation wirken lässt. Das vorliegende Bändchen präsentiert einen Brief von Rosa Luxemburg über die von ihr beobachtete brutale Bestrafung eines Büffels, einen diesen Brief scharf verurteilenden Leserbrief einer adeligen Dame, den diese nach Luxemburgs Ermordung geschrieben hat, und Karl Kraus' schneidende Erwiderung in der Fackel, erklärt der Rezensent. Kraus' zornige Antwort auf den Leserbrief läuft nirgends Gefahr, in bloßer Wut zu verpuffen, da er souverän über seine sprachlichen Mittel verfügt, stellt Müller anerkennend fest. Besonders beeindruckt aber hat ihn der "Mut zur Vertracktheit", der Kraus' Brief charakterisiert, und so ist seine einzige leise Kritik an diesem Büchlein, dass Herausgeber Pfäfflin ihm mit seinem Untertitel einen "allzu deutungsintensiven Rahmen" gebe.
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