Alles begann mit einem Gebäckstück. Es hatte eine charakteristische Form, einen gelehrten deutschen Namen, eine unaussprechliche englische Bezeichnung und es war von französischer Abstammung: Die Rede ist vom "Leibniz Cakes" - die Zeitgenossen sagten zunächst [kakes] - mit seinen 52 Zähnen, links des Rheins bekannt als "petit beurre", weil nur ,gute Butter' verwendet wurde. Wie schaffte es der Butterkeks aus Hannover in die Liga der erfolgreichen Markenprodukte und warum wurde er zu einem Dauerläufer durch die Jahrzehnte? Warum gelang der Keksfabrik, die Hermann Bahlsen 1889 gegründet hatte, mit ihrem Sortiment an süßen und salzigen Keksen, Biskuits und Waffeln und ihren frühen Convenience-Produkten im Wirtschaftswunder des Kaiserreichs und den neuen Gewohnheiten der jungen Industrie- und Freizeitgesellschaft eine Punktlandung? Und was hatten neue Verpackungen und die Idee der "totalen Reklame" mit dem Erfolg zu tun? Am Ende stellt sich die Frage nach einer geschichtspolitischen Wende im Kalten Krieg. Warum wurde die Unternehmensgeschichte der frühen 1960er Jahre, die auf das journalistische Prinzip der Vergegenwärtigung setzte, nur wenig später in eine "Meistererzählung" umgeformt, die der "jüngsten" Vergangenheit auswich?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2024
Das Keks-Imperium Bahlsen wird 135, zu diesem Anlass nimmt Kritiker Magnus Klaue zwei neue Publikationen in den Blick. Das Buch Karin Hartewigs kommt ihm dabei fast "apolitisch" vor, nimmt sie doch eher "Spezifika des Markendesigns" und die Ästhetik der Firma in den Blick. Doch auch die Weimarer Republik spielt für ihre Überlegungen eine wichtige Rolle, weil es ebenjene Zeit war, in der Frauen zum ersten Mal als Sekretärinnen und Verkäuferinnen für Bahlsen gearbeitet haben, erfahren wir. Für Klaue ist diese an der Ästhetik orientierte Arbeit besonders dort gelungen, wo es um internationale Verflechtungen der Firma geht, die eben nicht immer nur deutsch war, sondern als "Fabrikgeschäft engl. Cakes und Biscuits" gegründet wurde. Ein Buch, das gleichsam "unterhaltsam und überraschend" ist, wie er resümiert.
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