Hartmut Berghoff, Manfred Grieger

Die Geschichte des Hauses Bahlsen

Keks - Krieg - Konsum 1911-1974
Cover: Die Geschichte des Hauses Bahlsen
Wallstein Verlag, Göttingen 2024
ISBN 9783835357730
Gebunden, 602 Seiten, 29,00 EUR

Klappentext

Die Geschichte des Traditionsunternehmens Bahlsen bietet einen seltenen Einblick in die ansonsten verborgene Welt des deutschen Mittelstandes. Bahlsen, das steht nicht nur fast synonym für das Genussmittel Keks, sondern ist tatsächlich auch dessen "Erfinder" in Deutschland. Es war der Firmengründer Hermann Bahlsen, dessen Wortschöpfung "Keks" (vom englischen "Cakes") es 1915 in den Duden schaffte. Bis heute verfügt das in Hannover ansässige Traditionsunternehmen über einige der bekanntesten Marken für Nahrungsmittel in Deutschland. Dabei steht es aber auch für einen Unternehmenstyp, der zwar zentral für die deutsche Wirtschaft ist, über dessen Geschichte wir jedoch wenig wissen: Den Mittelstand. Wie hat er sich zum Nationalsozialismus gestellt? Wie denken und handeln Familienunternehmer angesichts der politischen und ökonomischen Erschütterungen des 20. Jahrhunderts? Wie gestalteten sie das Verhältnis zu ihren Mitarbeitern? Unter welchen Bedingungen wurden insbesondere die ausländischen Zwangsarbeiterinnen im "Dritten Reich" behandelt? Hartmut Berghoff und Manfred Grieger gehen diesen Fragen auf Grundlage bislang nicht ausgewerteter Quellen nach. Die Autoren behandeln die Geschichte des Hauses Bahlsen vom späten Kaiserreich bis zur Bundesrepublik und bieten damit detaillierte Einblicke in die Wirtschafts- und Politikgeschichte sowie die Sozial- und Konsumgeschichte einer Zeit voller herausfordernder Umbrüche.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 25.11.2024

Ein Stück schmerzhafte deutsche Wirtschaftsgeschichte legen die Historiker Hartmut Berghoff und Manfred Grieger hier laut Rezensent Bastian Brandau vor. Entlang des Buches zeichnet Brandau nach, wie die Bahlsen-Chefs - Söhne des Firmengründers Hermann Bahlsen - früh in die NSDAP eintraten, beziehungsweise gar die SS unterstützten. Eine Keksmischung für eine Reichsmark wurde zum Erfolgsprodukt, überhaupt stieg der Umsatz in der NS-Zeit, bis nach Kriegsausbruch Arbeiterinnen fehlten, die durch Zwangsarbeiterinnen ersetzt wurden. Diese Arbeiterinnen wurden keineswegs so gut behandelt, wie die Bahlsen-Erben lange behauptet hatten, stellt Brandau mit Berghoff und Grieger klar, Bezahlung und Verpflegung waren schlecht, und dass die Arbeiterinnen mit der Straßenbahn zur Arbeit fahren durften, lag nur daran, dass die Chefs ihre Arbeitskraft erhalten wollten. Das Buch ist auch deshalb lesenswert, weil es etwas über die deutsche Wirtschaftsgeschichte nach dem Krieg aussagt, meint der Rezensent, auch mit Blick auf die Anwerbung spanischer Gastarbeiterinnen nach Kriegsende. Ein wichtiges Stück Aufarbeitung, das freilich nur nach öffentlicher Kritik zustande kam, resümiert Brandau die Lektüre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2024

Das Keks-Imperium Bahlsen wird 135, zu diesem Anlass nimmt Kritiker Magnus Klaue zwei neue Publikationen in den Blick. Hartmut Berghoff und Manfred Grieger setzen mit ihrem Buch im Jahr 1911 ein, als das Unternehmen sich die Bezeichnung "Keks-Fabrik" gab und thematisieren in der Folge insbesondere die Unternehmensgeschichte während des Ersten und Zweiten Weltkriegs, die mit Soldaten und den in der Heimat gebliebenen Ehefrauen neue Kundenstämme ermöglicht haben, wie wir erfahren. Zudem ist für Klaue zu lesen, dass Bahlsen im Zweiten Weltkrieg die Wehrmacht beliefert, 800 Zwangsarbeiter beschäftigt und eine wichtige Rolle bei der Besatzung der Ukraine gespielt hat. Auch die präzise Schilderung der Nachkriegsgeschichte des Unternehmens findet sein Lob - eine aufschlussreiche Studie, die die Zusammenhänge einer Firma mit dem Nationalsozialismus und seinen Ausläufern deutlich macht, schließt der Rezensent.

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