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Karin Bürger (Hg.), Sonder Ines (Hg.), Ursula Wallmeier (Hg.)

Soncino - Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches

Ein Beitrag zur Kulturgeschichte
Cover: Soncino - Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches
Walter de Gruyter Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783110339208
Gebunden, 248 Seiten, 99,95 EUR

Klappentext

Im Mai 1924 wurde in Berlin die Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches gegründet. Benannt nach der jüdischen Druckerfamilie Soncino des 15. und 16. Jahrhunderts in Italien, hatte sich diese erste jüdische Bibliophilen-Gesellschaft die Publikation seltener jüdischer Texte und wertvoller hebräischer Drucke zum Ziel gesetzt. Mitglieder der Gesellschaft waren namhafte Persönlichkeiten, Bibliotheken, jüdische Logen und Kultureinrichtungen im In- und Ausland. Ihre Mitgliederzahl betrug über 800. Der Band, der aus Anlass des 90. Gründungsjubiläum der Soncino-Gesellschaft erscheint, geht in acht Essays der Geschichte der Vereinigung und ihrem Engagement für die hebräische Buchkultur nach, beleuchtet das Netzwerk ihrer Mitglieder und mögliche zionistische Einflüsse und hinterfragt die Wirkungsgeschichte der Gesellschaft. Ein umfangreicher Anhang mit einer Bibliographie der Publikationen und erstmals einer möglichst vollständigen Liste der Mitglieder der Soncino-Gesellschaft ergänzt den Band.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.01.2015

Mit viel Gewinn liest Klaus Hillenbrand diese Geschichte der Soncino-Gesellschaft, die sich zu Zeiten der Weimarer Republik mit äußerster Hingabe der Herausgabe bibliophiler jüdischer Bücher verschrieben und dabei einige ganz besondere Schmuckstücke hervorgebracht hatte. Die Texte unter anderem über die Geschichte des Vereins, dessen Gründung, Mitglieder und Veröffentlichungen lassen vor dem geistigen Auge des Rezensenten eine untergegangene, bürgerliche, vor allem an kulturellen Dingen interessierte Großstadt-Welt wieder auferstehen: So erfährt er, wie sich die assimilierten Juden der Weimarer Republik wieder mit großem Interesse der jüdischen Kultur zuwandten und mit welcher Sorgfalt edle Drucke besorgt wurden. Dankbar ist der Kritiker zudem nicht nur für das Verzeichnis aller so entstandenen Bücher, sondern auch für eine Liste der Mitglieder, unter denen sich auch der Konfektionär und passionierte Bibliophile Gotthard Laske befand. Dem Verbleib dessen 10.000 Bände umfassender Privatbibliothek in den Wirren der systematischen Judenverfolgung widmet sich ein ganzer Beitrag, schreibt Hillenbrand und meint am Ende so lakonisch wie wehmütig: "Der Rest ist Geschichte".