Aus dem Englischen von Ingo Herzke. Seine Liebe zu Büchern entdeckte Alan Bennett früh. Im Gefolge von Dr. Doolittle begann er in der Armley Public Library in Leeds diesem Hobby ausgiebig zu frönen, obwohl seine Mutter Bücher aus der Bibliothek als unhygienisch empfand. Bis heute liest Bennett gerne ausgeliehene Bücher und erfreut sich an hineingekritzelten Kommentaren. Seine eigenen Lektüreeindrücke, akkurat vermerkt in seinen detaillierten Tagebüchern, zeugen von seiner wilden Fantasie (inklusive Spekulationen über pikante Szenen im Leben anderer Schriftsteller), überbordendem Humor und Argwohn gegen jede Bildungshuberei. Während er beispielsweise Puschkin bräsig, Achmatowa banal und Isaiah Berlin langatmig findet oder Saul Bellow "Designerprosa" vorwirft, ist er verzückt von W. G. Sebald, Philip Roth, Ludwig Wittgenstein oder auch hierzulande kaum bekannten Autoren wie Denton Welch und Philip Larkin. Sein unerreichter Held aber ist Franz Kafka, und nichts ist ihm lieber, als sich diesen in Shorts am Gartenzaun in Letchworth vorzustellen, in Begleitung junger Damen, die ihm die Socken hochziehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.08.2020
Gegen das plärrend Grelle in der gegenwärtigen Comedy-Szene empfiehlt Rezensent Stefan Michalzik Alan Bennetts Texte aus den Jahren 1997-2005. Bennetts Stand-up-Stil findet er vergnüglich soigniert und voll "herrlicher Sentenzen", selbst, wenn das Thema ihn mal nicht umhaut. Wie der Autor Autobiografisches mit unkonventionellem literarischem Räsonnenment verknüpft, scheint dem Rezensenten ziemlich einzigartig, auch wenn manch süffisante Beobachtung oder Assoziationskette ihn an den Wiener Peter Altenberg erinnert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.06.2020
Rezensent Willi Winkler empfiehlt die Sammlung mit Lektürenotizen, Rezensionen und Aufsätzen des englischen Dramatikers Alan Bennett. Zu entdecken ist darin laut Winkler ein Autor, der sich selbst analysiert, seine "Lesensgeschichte", der Bewunderung und Kritik genau und pointenreich anzubringen weiß (siehe die Texte zu W.G. Sebald oder Hilary Mantel) und der bei dem Versuch, "Kafka von Kafka" zu befreien, den Schriftsteller als Engländer imaginiert. Bennetts "Anekdote" über das Leben Kafkas überzeugt Winkler mit "Henscheidscher Kürze".
Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Caroline Blackwood: Das Schicksal von Mary Rose Aus dem Englischen von Claudia Voit. Caroline Blackwood, Erbin des Guinness Vermögens und schillernde Figur der Londoner Bohème, hat aus ihrer Herkunft und ihrem Leben keine… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…