"Ich habe mich über nahezu alles Wichtige in meinem Leben geirrt." Obwohl sie in ihrer Kindheit sexuellen Übergriffen und emotionaler Vernachlässigung ausgesetzt war, glaubt Jutta Reichelt jahrzehntelang, das halbwegs normale Kind halbwegs normaler Eltern zu sein. Erst als sie mit Mitte Vierzig in eine existentielle Krise gerät, wird ihr klar, wie wenig mit ihrem Leben stimmt, und sie macht sich auf die Suche - danach, wie es wirklich war und wie sie davon erzählen kann. Viele der Fragen, die sie dabei für sich klären muss, stellen sich nicht erst angesichts einer traumatischen Vergangenheit: Was können wir über uns wissen? Wie weit können wir unseren Erinnerungen trauen? Wo kollidiert unser Recht zu erzählen mit dem Recht anderer, 'unerzählt' zu bleiben? Jutta Reichelt verwebt in diesem essayistischen Text das konkrete Material ihres eigenen Lebens mit den grundlegenden Themen und Fragen, die es aufwirft.
Rezensent Jan-Paul Koopmann ist erschüttert von den Erfahrungen, von denen Jutta Reichelt in ihrer Autobiografie berichtet. Es geht um den lange verdrängten sexuellen Missbrauch durch den eigenen Vater. Reichelt schildert den langsamen Erkenntnisprozess als Schock, so Koopmann. Die Schonungslosigkeit dabei findet er bemerkenswert. Für Koopmann reicht das Buch weit über das Persönliche hinaus und in gesamtgesellschaftliche Debatten hinein. Der Leser kann vielfach an die Erzählung anknüpfen, meint er. Dass der Text über Erinnerung, Traumata und Gewalt auch noch literarische Qualität aufweist, ist für ihn ein willkommenes Plus.
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