Aus dem Französischen von Martin Budde. In seiner autobiografischen Erzählung setzt sich Olivier Ka mit einer Missbrauchserfahrung seiner frühen Kindheit auseinander. Ausgerechnet der joviale und kumpelhafte Pater Pierre, der so gar nicht in das traditionelle Bild eines Priesters passen will, versucht die Verführung des jungen Olivier. Der Zeichner Alfred hat die Geschichte Oliviers in Zeichnungen übersetzt, sein emotionaler Strich passt hervorragend zu den Erlebnissen des Autors, die die Aufmerksamkeit auf ein immer noch mit Tabus und Scham umgebenes Verbrechen lenken. Der Tod des Pater Pierre ist in dieser Geschichte ein symbolischer. Durch das Schreiben des Erlebten kann Olivier Ka endlich Abstand gewinnen und mit seiner Vergangenheit Frieden schließen. Denn am Ende ist der Pater nur ein alter, gebrochener Mann.
Keine Frage für den Rezensenten: Olivier Kas Comic passt wie die Faust aufs Auge zur öffentlichen Diskussion um die Priester-Skandale. Dass der Autor in dieser Graphic Novel um Ferienlagererfahrungen mit Pater Pierre seine eigene Geschichte verarbeitet, sein Trauma, und schließlich seinen Dämon exorziert, wie es in der Besprechung heißt, macht das Buch für Lalon Sander umso bedeutsamer. Vermittelt durch die Zeichnungen, die den Pater mal kumpelig, mal als Teufel mit gelb leuchtenden Augen zeigen, spürt Sander, wie der Pater in Oliviers Leben eindringt, Oliviers kindliche Bewunderung und dann den Abscheu des sich erinnernden Erwachsenen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.02.2010
Rezensent Christian Schlüter erkennt in Olivier Kas Comic die gelungene Verarbeitung einer Missbrauchserfahrung und preist die Authentizität und Eindringlichkeit, mit der der Zeichner Alfred dieses Trauma in unter die Haut gehende Bilder umgesetzt hat. Wie der Rezensent mitteilt, wollte der als Radiomoderator und Schauspieler bekannte Autor zunächst einen Roman über seine Kindheitserlebnisse mit dem allseits beliebten und unkonventionellen Pater Pierre, der den Jungen während eines Ferienlagers missbraucht, schreiben, der allerdings nie fertig wurde. Alfred nun setze die einschneidenden Erlebnisse in "eindringliche" Bilder um, die den Einbruch von "Angst und Ekel" in die unbekümmerte Jungenwelt in düsteren, abstrakten Darstellungen vor Augen führt, so Schröder bewegt.
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