Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.12.2001
Das Buch, "Protokoll einer Abhängigkeit", wie es im Untertitel heißt, und des sexuellen Missbrauchs, ist anonym erschienen. Die Rezensentin, Angelika Overath, fühlt sich beim Lesen dieses intimen Berichts zur Voyeurin degradiert und hilflos. Der Verfasserin fehle bei aller Begabung die Distanz zum Thema, meint Overath, sie finde nicht die sprachlichen Mittel, den Bericht auf eine andere Ebene zu heben. Beschrieben werden "die Stufen der Abhängigkeit" eines einsamen sensiblen Mädchens, das von einem etwa zehn Jahre älteren Mann sexuell genötigt und missbraucht wird und dabei in einen Sog von Schmerz, Angst und Sehnsucht nach dieser schmerzlichen Liebe gerät. Es gelingt dem Mädchen, berichtet Overath, irgendwann diesen Teufelskreis zu durchbrechen - aber die Schilderung dieser Erlebnisse bleibe eine Sache zwischen ihr und ihrer Therapeutin (die Rahmenhandlung) und gehe die Leser im Grunde nichts an.
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