Gelesen von Frauke Poolmann. Laufzeit: Fünf Stunden und vierzig Minuten. Zum Download. "Die Geschichte erschien mir viele Jahre lang gänzlich unerheblich." Von diesem Satz aus erzählt die heute siebzigjährige Helene Bracht von einer über Jahrzehnte verschütteten Erfahrung, die sie mit sehr vielen Frauen und vielen Männern teilt: der, dass es auf dem Lebensweg mit der Liebe und der Sexualität nicht nur gut und einvernehmlich zuging. Wie liebt und begehrt man, wenn Verletzendes verborgen hinter einem liegt? Wie lebt und liebt man immer weiter?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2025
Noch dringlicher als das Buch erscheint dem Rezensenten Wolfgang Schneider die Hörbuch-Version, gelesen von Frauke Poolmann. Die inzwischen siebzigjährige Psychologin schildert hier nicht nur, wie sie als Kind von einem Hausfreund der Familie sexuell missbraucht wurde und welche Folgen das für ihr weiteres Leben hatte. Bracht erzählt auch, wie sie als lesbische Frau später selbst "ihre Beute zur Strecke" brachte, resümiert der Kritiker, der staunt, wieviel Empathie die Autorin auch übergriffigen Männern entgegenbringt. Mit Interesse folgt er auch Brachts Ausführungen über generationsübergreifende Zusammenhänge. Und wenn Bracht erzählt, wie sie später nochmal Opfer eines "Love-Scammers" wurde, dann ist das so skurril, dass Schneider sich sogar mitunter amüsiert. Frauke Poolmanns Lesung, die zwischen kindlicher und erwachsener Perspektive der Erzählerin switcht, findet ebenfalls das Lob des Rezensenten.
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