Kristian Ditlev Jensen

Ich werde es sagen

Geschichte einer missbrauchten Kindheit
Cover: Ich werde es sagen
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2004
ISBN 9783608936445
Gebunden, 310 Seiten, 19,50 EUR

Klappentext

Aus dem Dänischen von Walburg Wohlleben. Endlich darf der neunjährige Kristian ohne die Eltern in den Urlaub fahren. Gustav, ein junger Graphiker, nimmt sich seiner an. Drei Jahre lang verbringt Kristian daraufhin fast jedes Wochenende bei Gustav; das sind drei Jahre Martyrium, die die Psyche des Jungen zutiefst prägen. Mit 20 zeigt er den Gewohnheitstäter schließlich an. Doch sein Leidensweg ist damit nicht zu Ende. Erst nach einer langen Phase des Schweigens, nach jahrelangen Therapien und aufgrund der Unfähigkeit, ein normales Leben zu führen, findet Kristian Jensen eine Sprache für den eigenen Schmerz.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2004

Ein heikles Thema: sexueller Missbrauch während der Kindheit. Kristian Ditlev Jensen hat ihn selbst erlitten, zwischen seinem neunten und zwölften Lebensjahr. Täter war ein junger Grafiker. Die Eltern merkten zunächst nichts, später hinderten "Apathie und Scham" sie daran, zu reagieren. Das Kind blieb mit seinem Schmerz und seinen Schuldgefühlen allein. Von dieser inneren Hölle des Heranwachsenden berichtet Jensen nun mit schonungsloser Offenheit. Der Rezensent "akd" attestiert dem Autor großes sprachliches Vermögen und einen eindringlichen Stil. Das Buch ist als Plädoyer für einen offenen und ehrlichen Umgang mit einem tabuisierten Thema zu verstehen; in Dänemark sorgte es bei seinem Erscheinen für Furore und erhielt den Literaturpreis der Zeitung "Weekendavisen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2004

Kristian Detlev Jensens Lebensgeschichte bestätigt, was man aus der kriminologischen Forschung über Kindesmissbrauch weiß, meint Dorion Weickmann, und doch erfährt der Leser die Geschichte sehr viel eindringlicher, versteht er vielleicht eher, warum ein Kind sich dieser Art von "Psychofolter", wie sie Weickmann nennt, nicht entziehen kann. Oder erst sehr viel später wie im Fall Jensen. Als Neunjähriger geriet Jensen, ein Arbeiterkind aus der dänischen Provinz, in die Fänge eines pädophilen, lebensgewandten Großstädters, der ihn fortan über die Wochenenden zu sich nahm, was von den Eltern auch noch gern gesehen wird. Das typische Muster spult sich ab, so Weickmann: ein emotional bedürftiges Kind, das abwechselnd verwöhnt und erpresst wird und an dem die Schuld hängen bleibt. Drei Jahre dulde das Kind die körperlichen Übergriffe; als es sich an die Eltern wende, versagten diese ein zweites Mal und kehrten alles unter den Teppich. Erst als Erwachsener habe Jensen seinen Vergewaltiger angezeigt, und das sei der bitterste Aspekt dieses Buches, bemerkt Weickmann: zwei Jahre auf Bewährung für den Pädophilen, weil nichts nachzuweisen war. Etwas aus seiner Rolle als Literaturkritiker fallend, fragt Weickmann empört: Warum bringt der Rechtsstaat diese Szene nicht zur Strecke?
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