Julien Green

Der Unbekannte

Roman
Cover: Der Unbekannte
Carl Hanser Verlag, München 2011
ISBN 9783446237407
Gebunden, 96 Seiten, 12,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Elisabeth Edl. Als Vivien, zwanzig Jahre, in Paris aus dem Haus stürmt, wird ihm ein teuflischer Pakt vorgeschlagen: Ein etwa doppelt so alter Herr fordert seine Jugend, er will die Welt noch einmal mit den Augen des Jüngeren sehen. Obwohl Vivien entrüstet ablehnt, stürzt er jetzt in einen Strudel, in dem sein Leben wie im Zeitraffer vergeht. Seine geheimsten Handlungen notiert er dabei in einem Tagebuch - bis hin zu einem Mord. Julien Green erzählt auf verblüffend heitere Weise vom Tagtraum eines jungen Mannes und stellt die zentrale Frage: Wer ist der Unbekannte in mir, der Ich sagt?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.01.2012

Ein melancholisches "Testament" hält man mit dem letzten Roman des 1998 gestorbenen, Julien Green nicht in Händen, erklärt Hansjörg Graf bestimmt. Vielmehr nähert sich der französische Autor mit amerikanischen Wurzeln hier mit erstaunlicher "Leichtigkeit" einem Thema, das ihn auch in seinem Tagebuch zu der Zeit stark beschäftigt: das Ich als Anderer und die Unmöglichkeit sich selbst zu kennen. Im Roman ist es der Lebemann Vivien, der auf Maxime trifft, einen "Doppelgänger", der ihm so etwas wie ein "mögliches, zukünftiges Ich" vorspiegelt, informiert der Rezensent. Graf sieht im Tagebuch eine sowohl kommentierende wie korrigierende Instanz des Romans, den er nicht zuletzt deshalb für einen richtigen Glücksfall hält, weil er in seiner "vollendeten" Fragmentgestalt den Leser variable Romanschlüsse für sich durchspielen lässt. Viel Lob hat der Rezensent auch für die überzeugende deutsche Übersetzung von Elisabeth Edl übrig. Das Nachwort von Wolfgang Matz schließlich führt in seinen Augen hervorragend in das Oeuvre Greens ein.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.11.2011

Julien Green hätte dieses Buch bestimmt nicht so veröffentlicht, vermutet Rezensent Joseph Hanimann, der Text ist aus dem Nachlass veröffentlicht und mutet in seinen Augen noch an wie das Entwurfsprotokoll zu einem Roman: Viele Motive, Szenen und Figuren sind nur angedeutet, die Sprache für Greens Verhältnisse auffallend explizit. Hanimann hat das Buch trotzdem mit Gewinn gelesen, die Perspektivenschnitte nehmen hier geradezu "schwindelerregende Dimensionen" an, staunt Hanimann, den die Geschichte um einen Zwanzigjährigen durchaus fasziniert: Ein Fremder bietet Vivien an, ihm seine Jugend abzukaufen und der ihn lehrt, dass man ab zwanzig für sein Gesicht selbst verantwortlich ist. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2011

Für Rezensent Mirko Bonne ist Julien Greens letzter Roman "Der Unbekannte" der Abschluss eines Jahrhundert-Oeuvres. Der damals bereits sechsundneunzigjährige Autor greife noch einmal die Themen auf, die sein Werk bestimmten: seinen katholischen Glauben, seine Homosexualität und die Zeit. Bonne liest hier die Geschichte des zwanzigjährigen Studenten Vivien, dem ein mysteriöser Unbekannter einen teuflischen Pakt vorschlägt - Vivien erhält Reichtum, Erfolg und amouröse Abenteuer, wenn er den Unbekannten an seiner Jugend teilhaben lässt. Das schnelle und hedonistische Leben verschafft ihm jedoch wenig Befriedigung und so versucht er den Unbekannten bald zu beseitigen. Green gelinge es auf "fulminante" Weise auf nur achtzig Seiten die Zeit zu verdichten, lobt der Kritiker. Nicht zuletzt dank Elisabeth Edls großartiger Übersetzung und dem "einfühlsamen" Nachwort von Wolfgang Matz kann Bonne diesen kurzen Roman nur empfehlen.
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