Louis-Rene des Forets

Ostinato

Cover: Ostinato
Carl Hanser Verlag, München 2002
ISBN 9783446200654
Gebunden, 247 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Friedhelm Kemp. Als des Forets 1997 nach über zwanzigjährigem Schweigen sein autobiografisches Buch "Ostinato" veröffentlichte, wurde dieses Ereignis von der französischen Kritik hymnisch gefeiert. Das aus Prosafragmenten bestehende Buch, in dem nichts erzählt, sondern die Erinnerung in "epiphanischen Momenten" heraufbeschworen wird, war schon bei Erscheinen ein Klassiker. Die Weigerung des Autobiografen, "ich" zu sagen, dem Erlebten eine biografische Kontinuität und retrospektive Deutung zu geben und das autobiografische Werk als ein für alle Mal abgeschlossen zu verstehen, verleihen "Ostinato" einen singulären Stellenwert. Die frühe Kindheit, die Klosterschule, der Tod der Mutter, Reisen, die Resistance, der Tod des Freundes, schließlich die eigene Familie und der unverwindbare Tod der Tochter werden in Bildern und Reflexionen, als Splitter einer unvollendbaren Wahrheit evoziert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.12.2002

In diesen "autobiografischen Skizzen", die Louis-Rene des Forets? letztes Werk sind, vollführt sich für den Rezensenten Otto A. Böhmer die Erinnerung als Arbeit, als einordnendes Moment: "Die Erinnerung teilt zu, sie ist für das Geschehene nicht haftbar zu machen." Dies gelte vor allem für einschneidende Erlebnisse, wie der Tod der Tochter, der als "Wunde" bestehen bleibe, doch mit der Zeit der Trauer "eine erst kalte, dann wärmer werdende Ruhe" verleiht, in dem sie sich "dem Zeitlosen öffnet". Böhmer wird selbst ganz poetisch, als er versucht, die Wirkung des Buches zu beschreiben: Es "ist ein Buch für stille Stunden, für Momente der Einsicht, die nicht am Gelehrsamen und am Ausgeklügelten hängen." Und doch, so Böhmer, ist es kein "gelassenes" Buch.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2002

Louis-René des Forets autobiografisch geprägte und fragmentarische Prosaskizzensammlung "Ostinato" ist für den Rezensenten Thomas Laux ein Schreiben, das sich "paradox" zu sich selbst verhält, indem es immer wieder die Versuchung des Schweigens, sowie seine Unmöglichkeit thematisiert. Diese Versuchung des Schweigens entspringe aus dem Gefühl, dass Sprache immer "ungenügend" sein muss, und doch nicht aufgegeben werden könne. Daraus ergibt sich für Laux eine beinahe schizophrene Haltung der Auf- und Abwertung des eigenen "elementaren Werkzeugs" durch den Schriftsteller. In dieser Sprachskepsis stellt Laux einen Zusammenhang zu den theoretischen Schriften einer Nathalie Sarraute her, bemerkt allerdings, dass Forets weitergeht als Sarraute, indem er Zweifel an der Erzählbarkeit selbst hegt, und von der Begrenztheit von Welterfassung ausgeht: Das Wort kann die "Verzweiflung" nicht bannen. Diese Verzweiflung ist durchaus konkret, auch wenn der Leser der Rezension Schwierigkeiten haben wird, dies aus Laux' kryptisch verpackten "logisch-stringenten Sinninseln" herauszulesen. Friedhelm Kemps Übertragung ins Deutsche jedenfalls nennt Laux, wenn auch nach einigem Winden, schlicht "kongenial". Na bitte, es geht doch.