Philippe Jaccottet

Antworten am Wegrand

Cover: Antworten am Wegrand
Carl Hanser Verlag, München 2001
ISBN 9783446199958
Gebunden, 80 Seiten, 12,78 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Elisabeth Edl und Wolfgang Matz. Antworten am Wegrand könnte als Leitwort über vielen von Philippe Jaccottets Texten stehen. Immer wieder sind es Bilder aus der Natur, sind es Farben und Bewegungen, die auf die bedrängendsten Fragen Antwort zu geben scheinen: der Anbruch des Morgens in der Eiseskälte des Berggipfels, das brennende Rot im Abendlicht eines fruchtbeladenen Kirschbaums.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.06.2001

Heutzutage gibt man Gedichte und Prosa eher getrennt heraus, behauptet Krischan Schroth, wohingegen es früher - von Cervantes über Shakespeare bis zu Goethe und vor allem in der Romantik - völlig üblich gewesen sei, Prosa und Gedicht zu mischen. Bei Jaccottet sei es nun so, dass seine Schreibweise das Lyrische und Prosaische eng beieinander halte. Hier herrsche ein "flüchtiger, leicht gewebter Ton", der Schroth manchmal fast an Haikus erinnert. Und ähnlich wie beim japanischen Haiku sei auch bei Jaccottet die Natur (Südfrankreichs, wo der Schweizer Autor seit langem lebt) ein wesentliches Sujet der dichterischen Betrachtung. Durch den Wechsel von Prosa, Gedichten und Miniaturen stellen sich quer durch die Kapitel Bezüge her, die den Leser, freut sich Schroth, häufiger dazu brächten, auch mal wieder zurückzublättern und ein bereits gelesenes Gedicht ein zweites Mal zu lesen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.05.2001

Erst mal kriegt die Übersetzung ein Lob, ein dickes (klar und treu sei sie, heißt es). Und auch was dann folgt in der Besprechung von Milo Rau, muss dem Buch gut tun. Um die "kleinen Dinge" geht's in den Gedichten, lernen wir, um den Quittenbaumgarten etwa, den Lerchengesang, das Kornfeld, aber in einer Weise, die wir ruhig groß finden dürfen. Weil hier gepriesen wird nämlich, die "Naivität des Auges" vor allem, die "unverstellte Sicht." Den Autor beobachtet Rau so bei dem Versuch, "die transzendente Dimension der Dinge ... durch die Wirklichkeit nicht erklärend zu verdichten, sondern schlicht auszusprechen." Wenn das wie hier gelingt, meint Rau, dann durch "höchste Zurückhaltung" in der Sprache - in den Gedichten, nicht in der gleichfalls im Band enthaltenen Prosa. Denn die glänzt ganz anders und schafft einen Ausgleich zum "meisterhaft erfüllten Anspruch des Dichters Jaccottet": Als "Divagationen" des Literaten Jaccottet und Ausdruck eines "immensen literarischen Gedächtnisses", das das Buch "ins Essayistische erweitert."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.04.2001

Ganz ungeniert in Wörtern wie Schönheit, Geheimnis und Erleuchtung schwelgen konnte Hans-Jürgen Heinrichs in diesen, wie er sagt, zwischen Impression und essayistischer Skizze, zwischen Prosa und Poesie sich auspendelnden Texten. Bereits 1990 auf Französisch erschienen und nach Auskunft Heinrichs jetzt kundig und rhythmisch feinfühlig ins Deutsche übertragen, gleichen sie einer "poetischen Spurensuche in der Umgebung von Bäumen und Blumen, von Bergen, Tälern und Flüssen". Wie es dem Autor "in der Bewegung des Unterwegsseins" gelingt, Natur zu beschwören, "in diesem schweifenden Sprechen" den hohen Ton zu treffen und zugleich niemals die Position des Wissenden und Über-den-Dingen-Stehenden einzunehmen - das lässt den Rezensenten sogar ans "Allerschönste" wieder glauben.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2001

Als ein stolzes und heiteres Buch charakterisiert Hugo Dittberner Philippe Jacottets "Antworten am Wegrand": heiter, weil von des Autors Gelassenheit im Alter zeugend, und stolz, weil sich der Autor selbstbewusst in der europäischen Geistesgeschichte verortet. Hierfür hat er laut Dittberner eine Aufzeichnungsart gewählt, die im 20. Jahrhundert Karriere gemacht hat: die Kunst der Notiz, zwischen Tagebuch, Arbeitsjournal und Essay, zwischen Lyrik und Prosa angesiedelt. Eine Kunst des Changierens auch zwischen den Formen, die, so Dittberner, dem Autor erlaubt, den Schreibimpulsen nachzugeben. In Frankreich, in dessen Süden der gebürtige Schweizer Autor seit langem lebt, nennt man diese Form auch "Cahier" oder "carnet" - der Originaltitel des Bandes lautet auch "Cahier de verdure", von Dittberner mit "Heft des Grünen" übersetzt. Das Grün im Orginaltitel zeige an, worum es dem Autor außerdem geht: um die Betrachtung der Natur, bei der er ins Grübeln gerät über die Welt ganz allgemein.