Jürgen Lodemann

Lortzing

Gaukler und Musiker
Cover: Lortzing
Steidl Verlag, Göttingen 2000
ISBN 9783882437331
Kartoniert, 672 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

Mit 18 Abbildungen. Albert Lortzing wurde 1801 in Berlin geboren. Dort starb er 1851 nach einem Leben, das ihn quer durch die deutschen Provinzen trieb. Opern hielt er für "reinsten Wahnsinn" und war doch selber mit "Zar und Zimmermann", "Wildschütz", "Undine" und "Waffenschmied" überaus beliebt. Wie facettenreich der Theatermann Lortzing ist, zeigt diese Biografie mit ungewöhnlichem Zugriff: Albert Lortzing wird beim Wort genommen, bei seinen Libretti, die er als erster Komponist selber schrieb. Der Erfinder der deutschen Spieloper holt seine Texte aus dem persönlichsten Alltag. Lortzing wird in seiner ganzen Vielseitigkeit lebendig ? als Schauspieler, Komponist, Dirigent und als einer, der in Metternichs Polizeistaat 1815 bis 1848 die politischen Hoffnungen der ersten deutschen Demokraten ebenso teilte wie ihren Untergang. Lortzings elendes Ende wäre nicht denkbar ohne sein Engagement als 1848er. In diesem Jahr, während der einzigen zensurfreien Monate seines Lebens, schrieb er eine politische Oper, die mit einem Arbeiterstreik beginnt und im grandiosen Finale die Menschenrechte feiert. Erst 150 Jahre später konnte das Werk "Regina" in unveränderter Form auf die Bühne gebracht werden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.01.2001

Frieder Reinighaus freut sich sehr über die "umfangreiche Darstellung von Leben und Schaffen des Komödianten und Komponisten" Albert Lortzing. Grund hierfür ist nicht zuletzt, dass mit dieser Biografie an einen Komponisten des 19. Jahrhunderts erinnert werde, dessen Stern immer mehr im Sinken begriffen sei. Besonders faszinierend findet der Rezensent den Werdegang des Komponisten, der von ganz unten kommend sich nach oben arbeitete, um am Ende als überzeugter Demokrat auf der Flucht in absoluter Armut zu sterben. Dies alles sei mit "Herzblut" vom Biografen beschrieben, sodass ein "lebendiges Bild" von Lortzings Leben entstehe. Jedoch tendiere Biograf Lodemann gelegentlich dazu, seinen "Antihelden politisch überzustrapazieren." Ganz und gar nicht gefällt dem Rezensent, dass der Autor keine Quellen nennt und damit die bereits 1987 im Droste Verlag erschienene Biografie von Hans Hoffmann "Albert Lortzing. Libretto eines Komponisten-Lebens" unerwähnt bleibt. Dies ist um so bedauerlicher, da sich der Autor offensichtlich großzügig hieraus bedient. Gemeinsam jedoch warten Rezensent und Autor am Ende auf die Stadt, die sich 2001 des 150. Todestags des Komponisten annimmt. Viel Hoffnung, dass dies noch geschieht, haben wohl beide nicht.

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