Aus dem Spanischen von Juana und Tobias Burghardt. Als Juan Gelman 2007 mit dem renommierten Cervantes-Preis, dem wichtigsten Literaturpreis in der spanischsprachigen Welt, ausgezeichnet wurde, hatte er ein unveröffentlichtes Buch in der Schublade, in dem er seine Gedichte aus den jüngsten vier Jahren versammelte und indem er ein Wort als Titel erfand: MUNDAR. Einerseits handelt es sich um eine erstmalige Verbalisierung des Substantivs "mundo" (Welt), das neue Verb "mundar" (welteln), ein noch nie dagewesenes Wort, andererseits um eine Komposition aus den beiden Wörtern "mundo" (Welt) und «dar» (geben), das sich beim «d» verwandelt, also ineinander verschmilzt, dann "Welt geben" bedeuten könnte. Dem Dichter reicht diese Welt nicht, wie sie ist, obwohl ihm die Welt längst reicht, wie sie eben doch nicht ist, und seine weite Welterfahrung gibt er in den Gedichten weiter, überschreitet gewöhnlich bekannte grammatische Grenzen, substantiviert auch umgekehrt Verben oder tastet sich spielerisch im Sprachfluss voran.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2011
So begrüßenswert es der Schriftsteller und Übersetzer Leopold Federmair auch findet, dass der bedeutende argentinische Dichter Juan Gelman nun mit einem zweiten Auswahlband einem deutschsprachigen Lesepublikum nahe gebracht wird, so sehr hadert er mit den in seinen Augen nicht besonders überzeugenden Übertragungen ins Deutsche. Gelman arbeitet mit Neologismen, der Dekonstruktion der geläufigen Syntax und grammatischen Zweideutigkeiten, weshalb eine an sich schon immer problematische Übersetzung besonders schwierig ist, so der Rezensent. Juana und Tobias Burghard finden nach seinem Dafürhalten nicht immer den richtigen Abstand zu den Originalen, mal kleben sie in seinen Augen zu sehr an den Vorlagen, mal übersetzen sie für seinen Geschmack zu frei. Der Eindruck von Übereiltheit und Oberflächlichkeit bei der Übersetzung überwiegt dann auch für den unzufriedenen Federmair.
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