Roberto Juarroz

Vertikale Poesie. Poesia Vertical

Werkauswahl
Cover: Vertikale Poesie. Poesia Vertical
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2005
ISBN 9783902144881
Gebunden, 309 Seiten, 29,50 EUR

Klappentext

Herausgegeben, aus dem argentinischen Spanisch übersetzt und mit einem Nachwort von Juana und Tobias Burghardt. Fotos von Daniel Mordzinski. Mit diesem Buch liegt eine Auswahl aus dem lyrischen Großprojekt "Vertikale Poesie" vor, das von 1958 bis 1994 entstand und vierzehn Bände umfaßt. Aus diesen Gedichten sprechen Erfahrungen, wie einer sie macht, der das Senkblei auf den Grund der Sprache und des Seins gleichermaßen richtet, die vertikale Linie nie aus den Augen verliert. In paradoxen Wendungen, immer neuen Variationen und überraschenden Metaphern umkreist Roberto Juarroz die zentralen Themen unserer Existenz und vertraut dabei auf die erkenntnisstiftende, schöpferische Kraft der Poesie. Eine Schrift, die dem Unendlichen standhält, / den Rissen, die sich wie Blütenstaub verteilen, / der gnadenlosen Lesart der Götter, / der letternlosen Lesart der Wüste - eine solche Schrift kann nur am äußersten Grat unserer Wirklichkeit entstehen, dort, wo die scharfe Grenze zwischen Wort und Stille, Liebe und Einsamkeit, Leben und Tod verschwimmt, sich nach und nach auflöst, das eine ins andere gleitet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.09.2005

Großes Lob von Hans-Martin Gauger: ein "bemerkenswerter Lyriker; vielleicht gar ein großer", in einer Werkauswahl aus fünf Jahrzehnten, zweisprachig, ergänzt um Fotos, gut zusammengestellt, "vorzüglich übersetzt". Was hat man zu erwarten vom Argentinier Juarroz? Keine "erotische Tango-Trauer", keine südliche "Sinnlichkeit" - keine "Gefühls- Erschöpfung", wie es der Dichter selber nannte. Sondern ein, siehe Titel, vertikales Bohren - vertikal im Sinne von Strenge, von emotionaler und gedanklicher Tiefe, von einem religiösen Unten und Oben. Sie sind, schreibt Gauger, "verblüffend einfach", diese Gedichte - "trocken, denkbar unschwelgerisch, unverspielt". Doch solle man sich davon keinesfalls über ihren großen Gehalt hinwegtäuschen lassen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.08.2005

Eine Auswahl aus den Gedichten des argentinischen Dichters Roberto Juarroz legen Juana und Tobias Burghardt mit "Vertikale Poesie" vor, "weit über tausend Gedichte". Trotz einiger Casus-Verrutschungen zeigt Nico Bleutge sich sehr zufrieden mit dem Buch. Kein Wunder, hält er Juarroz für einen "wirklich großen Dichter". "Vertikal" nannte der Argentinier seine Dichtung, weil "sie Raum und Zeit, Sein und Nichtsein neu vermisst", wie Bleutge resümiert. Immer wieder durchbricht der Dichter die gewohnten starren Hierarchien und Ordnungen, lauscht in die Stille hinein nach jenem Anderen, dem schon Rimbaud auf der Spur war. Die Auswahl der Gedichte macht deutlich, stellt der Rezensent fest, wie sich Juarroz' Schreiben verändert hat: dominierte anfangs die "ausgreifende Reflexion", gelangte der Dichter später zu einer "ebenso aphoristischen wie bildlichen Schärfe".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.08.2005

Cornelia Jentzsch empfiehlt, Roberto Juarroz zusammen mit seinem Landsmann Antonio Porchia zu lesen. Während Porchia sich in aphorismenartigen Miniaturen dem Augenblick und seinen Abgründen widmet, sei Juarroz ein "Fachmann des beharrlich in die Tiefe ziehenden Sogs". Selten gehe es in seinen Gedichten um die sichtbare Welt, hin interessiere vielmehr die ihnen innewohnende "unsichtbare Dynamik". Er widme sich der Kraft hinter den Dingen, die weder Wissenschaft noch Philosophie erklären können. Zusammen mit Porchia und Juarroz' Essay "Poesie und Wirklichkeit", erschienen im Tropen Verlag, erhalte der Leser einen "umfassenden Einblick" nicht nur in die argentinische Literatur, sondern in das "Binnenleben von Poesie und Denken" überhaupt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.05.2005

Andreas Dorschel zeigt sich fasziniert von der vertikalen Poesie des verstorbenen argentinischen Dichters Roberto Juarroz, die - getreu dem Titel - Höhen und Tiefen auslotet. Die aus 15 Bänden ausgewählten Gedichte blieben nie schicht an der Oberfläche, lobt der Kritiker, sondern zeichneten sich stets durch Ernst und Klarheit, teils auch durch eine gewisse "Düsterkeit" aus, was dankenswerterweise jedoch nicht "Leichtigkeit und metaphysischen Witz" ausschließt. Allerdings sei in der deutschen Übertragung dieser zweisprachigen Ausgabe einiges an Qualität verloren gegangen, bemängelt der sprachmächtige Dorschel. Die Übersetzer Juana und Tobias Burghardt hätten es zwar relativ gut verstanden, den Ton des Originals zu treffen, sprachlich hingegen seien ihre Texte "teils schlicht fehlerhaft".
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