Der Historiker und Alfred-Escher-Experte Joseph Jung versammelt in seinem neusten Werk 32 Reden im Zeitfenster von 1848 bis 1868, darunter die sogenannten Thronreden, die Escher als Präsident des Großen Rats des Kantons Zürich und als Nationalratspräsident gehalten hat. Es gibt keinen anderen Schweizer Politiker, der so häufig, derart grundsatzpolitisch und inhaltsschwer über die Schweiz sprach wie Escher. Dabei richtete er seinen Blick zugleich auf europäische Verhältnisse. Auch aktuelle Themen und Herausforderungen der Schweiz finden in Eschers Reden ihre Verankerung, so zum Beispiel das Verhältnis der Schweiz zu den Nachbarstaaten, die Bedeutung der Neutralität, die Rolle von Staat und Privatwirtschaft und die Schweizer Flüchtlingspolitik. Jung setzt Eschers Reden zur Lage der Nation ausführlich in ihren Kontext ein und interpretiert sie. So vermittelt er ein neues Bild der Schweiz nach 1848.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.07.2021
Rezensent Urs Hafner lässt sich mit dem vom Historiker Joseph Jung herausgegebenen Band den neuen Gründungsmythos der Schweiz erklären. Der liberale Hansdampf Alfred Escher und seine Reden eignen sich laut Hafner trotz Eschers Neigung zu Schachtelsätzen ganz gut dazu. Nebenbei wird der Liberalismus von Echers Generation für den Rezensenten erkennbar und das Misstrauen der liberalen Eliten dem "Volk" gegenüber. Hafner stellt nicht ganz neidlos fest: Die Vision der 1848er-Liberalen war eine fortschrittsoptimistische, utopische.
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