Folgt man der innenpolitischen Diskussion lässt sich nicht zweifelsfrei ermitteln, wo die Schweiz liegt. Der Umstand, dass ein Land in der geografischen Lage der Schweiz nicht Mitglied der EU ist, beschäftigt Jakob Kellenberger. Es befremdet ihn, dass die Schweiz der Friedensgemeinschaft von Anfang an mit eng herzigem Misstrauen begegnete. Er ist beeindruckt von der Macht eingeschliffener Begriffe und den Begriffsgeräten, an denen schweizerische Politiker seit Jahrzehnten mit ungebremstem Schwung turnen. Und er wundert sich, wie wenig die Fortschritte der EU die Ausstattung der Turnhalle beeinflusst haben. Offen und kritisch zugleich zeichnet der erfahrene Unterhändler nach, wie sich die Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU gestaltet haben. Er anerkennt die friedenspolitischen Leistungen der EU und glaubt, dass eine neue Einstellung zur EU notwendig ist, um künftige Entwicklungen mit Zuversicht ins Auge zu fassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.03.2015
Mit dem ehemaligen Dipolmaten Jakob Kellenberger lernt Philip Rosin die Realitäten der Schweiz kennen. Im Kulturkampf der Eidgenossen um die EU-Frage nimmt der Autor laut Rezensent wenig zurückhaltend Stellung und setzt sich mit Begriffen der schweizerischen Geschichte auseinander, Neutralität, Souveränität etwa, um die Wohlfühlmentalität dahinter zu entdecken und die Realitätsverweigerung der Schweizer anzuprangern. Auch wenn Kellenberger hier für Rosin mitunter zu weit geht und seiner Meinung nach die Chancen der Neutralität gleich mit über Bord wirft, anerkennt er doch die Verärgerung des Autors. Glaubwürdig wird das Plädoyer für Kooperation für den Rezensenten nicht zuletzt dadurch, dass Kellenberger sich auch kritisch mit dem Zustand der Eu auseinandersetzt. Den technokratischen Stil des Buches verzeiht der Rezensent angesichts pointierter und erfrischender Wertungen.
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