Christian August Fischer, geboren 1771 in Leipzig, gestorben 1829 in Mainz, war in seiner Zeit ein berühmter, gar berüchtigter Autor, der mit großem Geschick seine literarische Arbeit zu vermarkten wußte. Mit der Schilderung von Reisen, die ihn quer durch Europa geführt hatten, fand er Anerkennung und ein Lesepublikum. Nicht minder begehrt waren seine unter dem Pseudonym "Althing" veröffentlichten erotischen Schriften. Der Ruf, den er sich mit seinen seriöseren Werken erworben hatte, trug ihm Titel und Stellung eines Professors an der Universität Würzburg ein. Als er dort in Auseinandersetzungen mit Klerus und Obrigkeit geriet, kostete es ihn erst sein Amt und dann seine Freiheit. Fischers Leben und Werk, hier erstmals umfassend und auf breiter Quellengrundlage vorgestellt, spiegeln wichtige Entwicklungslinien und Konfliktfelder einer Zeit, in der sich das deutsche Bildungsbürgertum zu formieren begann.
Ein ungewöhnliches, ein herbstliches Buch, freut sich Benedikt Erenz. Und freut sich auch über die Lesbarkeit, die es an den Tag legt, zumal es doch aus der Feder zweier Wissenschaftler stammt. Dabei war er zunächst ratlos gewesen, Erenz, hatte den Namen "Fischer" nie gehört und wusste doch soviel: dass dieser Autor eines 500-seitigen Reisebuches und "allerlei zärtlicher Romanchen" kein verkanntes Genie war, dessen Werk von bestürzender Aktualität erst noch zu entdecken wäre. Kein Genie also, kein Held. Aber was dann macht Erenz froh? Der Umstand womöglich, dass Fischers ganzes Leben Zeitbild ist, wie er schreibt, den Idealen des Großen Jahrhunderts treu war und "im Gegensatz zu manchem Landsmann in Weimar, Jena oder Heidelberg" erkannte, dass die Stunde des Völkerrechts, der "Gesetzlichkeit" gegen die herrschende Klasse gekommen war. Ganz sicher aber die Tatsache, dass es den beiden Biografen gelingt, dies "detailscharf" zu transportieren, "mit melancholischem Gespür für die Zeit", so dass der Aufbruch von 1789 durch die Seiten "zischelt und flüstert".
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