Karl-Heinz Rofkar

Silberküste einer andern Welt

Jean Paul und der Mond. Eine lexikographische Anthologie seiner metaphorischen, parabolischen, allegorischen und symbolischen Selenismen
Aisthesis Verlag, Bielefeld 2000
ISBN 9783895282898
Kartoniert, 164 Seiten, 24,54 EUR

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.10.2000

Falls Sie es noch nicht wissen sollten: der Dichter Jean Paul ist einer der fleißigsten und "wunderbarsten Mondmetaphern-Produzenten"! Und wissen Sie warum? Weil er ein Selenomane war, einer, - jetzt lernen Sie gleich noch etwas! - der vom Mond besessen ist. Und darum kann sich Jörg Drews dieses Lesebuch wohl auch nicht anders als eine silbern glänzende Pralinenschachtel vorstellen (man denke sich: vom Mondlicht versilbert), die in lexikalischer Reihenfolge alle von Jean Paul benutzten Mondmetaphern und was er sonst noch über den Mond geschrieben hat, enthält. Der Mond, der eigentlich wie im Lateinischen weiblich sein und die Mondin heißen müsste, berichtet Drews, würde bei Jean Paul zwar als kühl, aber von einer sanften, wohltuenden Kühle beschrieben: wohltuender als die Sonne, die einen bei Näherkommen verbrennt. Einige der Formulierungen, die Drews uns vorstellt, sind ausgesprochen hübsch: vom "aufgegangenen Mutter-Auge" ist da die Rede oder vom "angebissenen Mohnölkuchen", vom "Pudergesicht" oder dem "Schwan des Mondes". Jean Paul sei so konzentriert und hochdosiert vielleicht am ehesten dem Leser näher zu bringen, schreibt Drews abschließend.
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