Aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis und Karin von Schwede. Mit einem Vorwort von Umberto Eco. Egal, ob es um Obama, den Papst oder die Wirtschaftskrise geht. Ganz gleich, ob er als Linker die Linke provoziert oder ob er sich mit den Palästinensern solidarisiert und Israel heftig rügt, ob er über Pessoa, Borges und Fuentes schreibt oder darüber, dass politische Demokratie nichts wert ist, wenn sie nicht durch eine ökonomische und kulturelle untermauert ist. In seinen Tagebucheinträgen geht Saramago ins Gericht mit Politik, Kirche, Kultur und Gesellschaft, berichtet aber auch über Dinge, die ihn persönlich berühren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.09.2010
Schön schonungslos, wie Jose Saramago in seinem "Tagebuch" mit der politischen Landschaft und auch sich selbst abrechnet, meint Rezensent Daland Segler anerkennend. Den Narren, die neben den Kindern immer die Wahrheit zu sagen pflegen, könne man den greisen Nobelpreisträger Saramago indes keinesfalls zurechnen, um damit seiner Kritik zu entgehen: Der Autor messe die Demokratie an den Ansprüchen, die sie in der Vergangenheit an sich selbst gestellt habe und entlarve sie dabei als weitgehend plutokratisch, so der Rezensent. Neben Kommentaren zum Fernsehprogramm oder dem Nahost-Konflikt, erfreut Saramago den Rezensenten auch mit Spitzen gegen George Bush ("Mittelmaß an Intelligenz") und Silvio Berlusconi ("erwiesenermaßen ein Verbrecher"). Dabei gehe Saramago aber auch mit sich selbst nicht zimperlich um, attestiert ihm Segler, und genau deshalb sei sein Tagebuch wahrhaft "offen".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.09.2010
So recht weiß Hans T. Siepe nicht, wozu die Veröffentlichung dieses Blogs als Buch eigentlich taugen soll. Ein Blog ist doch ein Blog ist ein Blog ... Vielleicht ja weniger als aktueller Anlass zur erneuten Auseinandersetzung mit Jose Saramagos dereinst geäußerten, wie Siepe findet, oft weit überzogenen Meinungen, seinem militanten Atheismus, strengem Kommunismus und Israelhass. Einige bleibende Texte aber entdeckt der Rezensent doch. Saramagos Liebeserklärung an Lissabon etwa oder Autorenwürdigungen zu Pessoa, Carlos Fuentes u. a.
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