Aus dem Portugiesischen von Magnus Chrapkowski. Mario de Sá-Carneiros Novellenzyklus Céu em fogo - neben Pessoas Buch der Unruhe das bedeutendste portugiesische Prosawerk des 20. Jahrhunderts - entführt den Leser in die Metropolen Paris und Lissabon. Der Autor löst sich in eine Vielzahl von Figuren auf: Dramatische Schicksale hochsensibler, "vibrierender" Seelen, die sich auf den verschiedensten Ebenen der Wahrnehmung und Empfindung in ständiger wechselseitiger Durchdringung befinden, werden von einer sensualisierten, synästhetischen Sprache wie von einer Symphonie Skrjabins getragen. Sá-Carneiro entwickelte seine Ästhetik konsequent aus der für die gesamte Moderne zentralen Erfahrung des Selbstverlusts und dem philosophischen Problem der Identität.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 26.02.2022
Dass Mário de Sá-Carneiro es nicht verdient hat, im Schatten seines Freundes Fernando Pessoa zu landen, lernt Rezensent Eberhard Geisler aus dem nun erschienenen Band. Bei den Texten des Begründers des Interseccionismo, einer mit dem Kubismus vergleichbaren Schreibweise, so Geisler, handelt es sich nicht um Novellen im klassischen Sinne, wie der Kritiker erklärt, sondern um erweiterte Selbstreflexionen, die sich zum Teil narrativer Elemente bedienen. Bemerkenswert findet der Kritiker, gerade im Gegensatz zu Pessoa, Sá-Carneiros Hinwendung zur Sinnlichkeit: Wo Pessoa die Wirklichkeit in gnostischer und solipsistischer Überzeugung, so Geislers Einordnung, nur als Abbild seiner eigenen Imagination sieht, wird bei Sá-Carneiro das Mysterium "eingesaugt", die Wirklichkeit in ihrer ganzen Sinnlichkeit erfahren und auch sexuell begehrt. Ein "wunderbares, ideenreiches" Buch, schwärmt der Rezensent, der dem früh verstorbenen Schriftsteller mehr Zeit gewünscht hätte, seinen eigenen Weg zu gehen.
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