Eduardo Lourenco

Mythologie der Saudade

Zur portugiesischen Melancholie. Essays
Cover: Mythologie der Saudade
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783518121801
Broschiert, 220 Seiten, 11,20 EUR

Klappentext

So sehr scheint den Portugiesen das Lebensgefühl der Saudade eigen zu sein, daß es für ihre Definition bislang keine Notwendigkeit gab. Im Gegenteil: Indem sie diese besondere Art glückvoller Melancholie zum Kern ihrer Existenz und damit zu ihrem Geheimnis erklären, stricken sie weiter an einem portugiesischen Mythos. Es ist diese Mystifikation eines universellen Gefühls, die jener Schwermut ohne wahre Tragödie ihre kulturelle Bedeutsamkeit verleiht - sei es in der Literatur Fernando Pessoas oder in den Gesängen des Fado - und aus der Saudade das Kennzeichen portugiesischer Sensibilität macht. Lourencos philosophische und literaturwissenschaftliche Essays suchen nach einer Antwort auf die Frage, warum sich ein ganzes Volk mit Genuß zur Saudade bekennt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2001

Mit dem Essayband "Mythologie der Saudade" unternimmt der Philosoph und Literaturwissenschaftler Eduardo Lourenco eine "historische Annäherung an die viel beschworene portugiesische Weltflucht und Melancholie", schreibt Rezensentin Caroline Pross. Doch die "Anatomie der portugiesischen Melancholie" fällt für sie eigentümlich blass und unscharf aus. Dies begründet sie mit einem Verweis auf Roland Barthes Aufsatzsammlung "Mythologies". Im Gegensatz zu Lourenco sehe Barthes' "Scharfblick" die französische Kultur als Ausdruck nationaler Selbstbilder. Besonders wertvoll findet es die Rezensentin, wenn man bei der Lektüre Barthes' Konkretes über die französische Kultur erfährt: Barthes behandelt exemplarische Phänomene wie die Tour de France, Striptease und Beefsteak. Lourenco dagegen setze sich mit der "literarischen Verarbeitung von Zeiterfahrung" auseinander, indem er Dichter und Philosophen aus vier Jahrhunderten zum Thema "Melancholie" zu Wort kommen lässt, ohne dabei ein konkretes Bild von der portugiesischen Kultur zu entwerfen, bedauert die Rezensentin.
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