Jose Sanchez de Murillo

Luise Rinser

Ein Leben in Widersprüchen. Biografie
Cover: Luise Rinser
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783100713117
Gebunden, 464 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Mit Romanen wie "Mitte des Lebens", "Mirjam", "Abaelards Liebe" gehörte Luise Rinser zu den meistgelesenen Schriftstellerinnen ihrer Zeit. Romanhaft sind, wie sich zeigt, auch ihre Autobiografien "Den Wolf umarmen" und "Saturn auf der Sonne". Die streitbare Autorin, die die deutsche Kultur der Nachkriegszeit entscheidend mitprägte, sah sich gern als Gegnerin und Opfer des Nazi-Regimes. Aber sie schrieb Huldigungsgedichte an Hitler, leitete BDM-Schulungslager, entwarf Propagandafilme. Manches nie Ausgesprochene konnte Luise Rinser erst in ihren späten Jahren dem Freund Jose Sanchez de Murillo anvertrauen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.04.2011

Die "erste große Rinser-Biografie" erblickt Rezensentin Anja Hirsch in Jose Sanchez de Murillos Lebensbeschreibung der Schriftstellerin Luise Rinser, die in der alten Bundesrepublik als moralische Instanz galt. Hirsch bescheinigt dem Autor, dieses ungewöhnliche und widersprüchliche Leben "schonungslos, aber respektvoll" (de Murillo) zu schildern. Vor allem geht Hirsch auf die Verstrickungen Rinsers in den Nationalsozialismus ein, welche die Autorin immer geleugnet hat. De Murillo arbeitet ihres Erachtens Rinsers Verdrängung, ja Umschreibung der eigenen Vergangenheit überzeugend heraus. Die These, in Rinsers literarischen Werken spiegelten sich die von der Autorin ausgeblendeten inneren Risse, bleibt für die Rezensentin allerdings etwas "vage".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.04.2011

Allemal eine Biografie wert sei das Leben der Luise Rinser gewiss. Ob nun allerdings ein Freund ihrer späten Jahre und Gründer des "Edith Stein Instituts" für Tiefenphänomenologie wie Jose Sanchez de Murillo sie schreiben musste, da hat Rezensent Helmut Böttiger denn doch seine Zweifel. Lesenswert findet er den Band dennoch, vor allem des darin ausgebreiteten Materials wegen. Und immerhin suche der Biograf zwar nach allerlei Entschuldigungen für das frühe Nazi- und Hitler-Geglühe der Rinser, verschweigen oder bestreiten (wie vorzugsweise sie selbst) will er es immerhin nicht. Und ein Phänomen sei der Lebenslauf der Autorin, die starke und charismatische Männer auf aktive, wenn nicht bedrängende Weise zu bewundern ihr Leben lang nichts unterließ, ganz ohne Frage. Sie brachte den Jesuiten Karl Rahner auf dem Gebiet der Erotik ins Schwitzen, sie schwärmte unbeirrbar für den nordkoreanischen Diktator Kim Il-Sung und wurde von den Grünen in den Achtzigern zielsicher als Präsidentschaftskandidatin nominiert. Die literarischen Werke seien gewiss - Böttiger bleibt höflich - "sehr augenblicksbezogen". Als "pars pro toto" eines deutschen Jahrhunderts werde Rinser aber auch in dieser sehr beschönigenden Biografie sichtbar.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2011

Dass Luise Rinser einst die Heroine der Friedensbewegung war, kann Friedmar Apel noch immer nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. Nicht nur wie sie ihre eigene Biografie geschönt hat, entsetzen den Rezensenten, sondern auch wie sie ihrer Verehrung großer Führer unter anderen Vorzeichen treu geblieben. In aller Einzelheit kann er dies der Biografie entnehmen, die Rinser Freund, der Philosoph Jose Sanchez de Murillo, verdienstvoller Weise verfasst hat, laut Apel "so redlich wie schweren Herzens". Nach Lektüre steht für Apel fest: Rinser hat ihre NS-Begeisterung, ihre Verehrung für Adolf Hitler und ihre Mitgliedschaft in zahlreichen NS-Organisationen systematisch vertuscht und sich ohne realen Hintergrund zur Widerstandskämpferin stilisiert. Er kann ihrem Leben nicht mal eine wirkliche Wende entnehmen, und ihr nordkoreanisches Tagebuch, in dem sie Kim Il-sung als "Vaterfigur, mit einer starken und warmen Ausstrahlung, ganz in sich sich ruhend, heiter, freundlich, ohne Falschheit" besang, wie Apel zitiert, erscheint denn als konsequente Fortführung ihrer Huldigungen des Führers.