Herausgegeben von Gisbert Haefs und Fritz Arnold. Aus dem Spanischen übersetzt von Gisbert Haefs. Die Neuausgabe der Gedichte des Argentiniers Jorge Luis Borges wird mit diesem Band fortgesetzt. Er versammelt die Werke der sechziger Jahre, also jener Zeit, die Borges auf dem Weg vom Avantgardisten zum modernen Klassiker der lateinamerikanischen Literatur sah. Der Zyklus "Der Andere, der Selbe", der den Band eröffnet, könnte auch das Motto für Borges Lyrik im Ganzen geben: ein Spiel mit Masken und Formen, mit Rätseln und Täuschungen, mit seinem Leser und sich selbst, mit Zeit und Ewigkeit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2007
Recht kursorisch fällt diese Besprechung der zweibändigen Übersetzung von Jorge Luis Borges aus. Für die Qualität der Originale schon gilt, dass sie, wie jedenfalls der Rezensent Leopold Federmaier befindet, nicht durchwegend herausragend ist. Im Frühwerk manchmal "outriert", im Spätwerk nicht selten "freundliches Mittelmaß" - noch dazu kehre da Borges' schwert- und männlichkeitslastiger Gauchismo zurück. Grundsätzlich nicht unproblematisch findet Federmaier auch die Entscheidung, die Originale in "eine Art von Prosa" zu übersetzen. Der Versuch der Annäherung an den Ton, den Borges in seiner eigenen Sprache besitze, scheint dem Rezensenten aber begrüßenswert, und teilweise hält er das wohl auch für gelungen. Dennoch stellt er der deutschen die seiner Ansicht nach offenbar sehr viel überzeugendere französische Pleiade-Ausgabe der Borges-Gedichte gegenüber, an der der Autor selbst intensiv beteiligt war.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007
Mit dem Kalauer "Wer es nicht kaufen kann, der borg es" beendet Rezensent Heinrich Detering seine hymnische Besprechung dieses Buchs. Was hat ihn an den Gedichten des argentinischen Großmeisters so beeindruckt? Es ist zum einen die "überwältigende Souveränität" seiner Lyrik, zum anderen "die Suche nach den mythischen Mustern", in denen in ihr Sprache und Sprachakt, "Text und Welt" thematisiert würden. Detering spart nicht mit superlativen Charakterisierungen: Borges sei ein "kosmogonischer Poet der Moderne"; seine Lyrik habe eine "Brunnentiefe, die man wohl unergründlich nennen muss." Durch die fast durchgehend zweisprachige Präsentation könne der Leser zudem die überwältigende Formfülle der Originalfassungen erleben, die zugleich in einer "vorzüglichen Prosa-Übersetzung" von Gisbert Haefs auf Deutsch vorliegen. Also wie auch immer: kaufen, borgen - jedenfalls lesen! lautet die dringliche Empfehlung des Rezensenten.
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