Jonathan Safran Foer

Hier bin ich

Roman
Cover: Hier bin ich
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2016
ISBN 9783462048773
Gebunden, 688 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Julia und Jacob Bloch, die mit ihren drei heranwachsenden Söhnen in Washington, D.C. wohnen, haben ein Problem. Genauer gesagt, sie haben viele Probleme: Jacobs hochbetagter Großvater soll ins Altersheim, will aber nicht, ihr ältester Sohn droht von der Schule zu fliegen, dabei wollen sie in ein paar Wochen seine Bar Mizwa feiern. Geplant ist ein großes Familienfest, zu dem auch die Verwandtschaft aus Israel anreist, was die angespannte Stimmung im Hause Bloch weiter anheizt. Und dann macht Julia eine Entdeckung, die alles infrage stellt, ihre Ehe, ihre gemeinsamen Werte, die Zukunft der Familie … Während sich die häusliche Krise zuspitzt, dräut am Horizont ein globales Desaster: Ein katastrophales Erdbeben im Nahen Osten führt zu einem gewaltigen internationalen politischen Konflikt, der auch die Familie Bloch im Kern trifft.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.11.2016

Eine lange Kritik, die Eva Behrendt da verfasst hat. Viel Licht wirft sie aber nicht auf diesen Roman. Vordergründig geht es um einen jüdisch-amerikanischen Schriftsteller, der mit Frau und zwei Kindern in Washington DC lebt und dessen Ehe auseinanderbricht. Und dann gehts um die Weltlage, ein Erdbeben im Nahen Osten. Beide Erzählstränge dienen, wenn man Behrendt richtig liest, vor allem dazu, die Identität des Autors zu schärfen, der ewig unentschlossen, abschweifend, kreisend eine Selbstbestimmung anstrebt. Inwiefern das gelingt, bleibt offen. Aber die totale Konzentration auf das eigene Ich, die Behrendt da beschreibt, klingt in ihrer Rezension doch sehr abtörnend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2016

Sandra Kegel kann diesem Roman um das unglückliche Washingtoner Ehepaar Jacob und Julia viel Positives abgewinnen, denn Jonathan Safran Foer weiß mit "unglaublicher Rasanz" zu erzählen, mit viel Komik und einem guten Gespür für Irrwitz und Ambivalenz des modernen Lebens. Auch den Aspekt der unbedingten Verbundenheit, der in dem abrahamitischen Titel anklingt, findet sie ansprechend. Dennoch wird sie nicht ganz glücklich mit diesem Buch. Einerseits ist ihr die Scheidungsgeschichte zu konventionell geraten, von der Tristesse des Mittelklasse-Lebens liest sie hier nicht zum ersten Mal. Und auch die Gegenüberstellung von privater Misere und politischen Katastrophen im Nahen Osten, die Foer aufreißt, hebt in ihren Augen, ob beabsichtigt oder nicht, eher ungut die Ichbezogenheit des Protagonisten hervor - zumal Foers eindimensionales Israel-Bild als sicherer Zufluchtsort auch Benjamin Netanjahu gefallen dürfte, wie Kegel etwas spöttisch bemerkt. Von der "Great American-Jewish-Novel" ist der Roman weit entfernt, stellt die Rezensentin fest.
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