Katie Kitamura

Trennung

Roman
Cover: Trennung
Carl Hanser Verlag, München 2017
ISBN 9783446254459
Gebunden, 256 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Kathrin Razum. Eine junge Frau reist im Auftrag ihrer Schwiegermutter nach Griechenland. Sie soll deren Sohn suchen. Die Schwiegermutter weiß nicht, dass das Paar längst getrennt lebt. In den steinigen, verbrannten Landschaften auf der Peloponnes geht die junge Frau den Spuren ihres Ex-Mannes nach. Sie beginnt Mutmaßungen anzustellen, die Vergangenheit zu hinterfragen. Gerade, als sie sich eingesteht, wie wenig sie ihren Mann eigentlich kannte, wird er tot aufgefunden. Warum hält sie nun, da die Trennung unwiderruflich ist und sie etwas wie Trauer empfindet, die Fiktion ihrer Ehe weiterhin aufrecht?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.09.2017

Größte Sogkraft attestiert Rezensentin Franziska Wolffheim diesem Buch der kalifornischen Autorin Katie Kitamura, das als erstes von inzwischen drei Romanen nun in einer vorzüglichen Übersetzung von Kathrin Razum auf Deutsch vorliegt. In der Geschichte um eine Ich-Erzählerin, die ihrem Mann, der in Griechenland über Trauerriten recherchiert, mit dem Wunsch nach Scheidung hinterher reist, bald feststellen muss, dass er ermordet wurde und fortan der Verwandtschaft die trauernde Witwe vorspielt, ist kein Wort zu viel, lobt die Kritikerin. Gefühle werden hier "schmerzhaft" genau seziert bis nur das Elementare übrigbleibt, geradezu "archaisch" wirkt Kitamuras Minimalismus, schwärmt die Rezensentin, die nach der Lektüre beklommen feststellt, wie wenig Menschen voneinander wissen können.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2017

Was ist das denn für eine Geschichte, fragt sich Rezensentin Julia Bähr angesichts von Katie Kitamura erstem auf Deutsch vorliegenden Roman. Ein Mann, der vor der Scheidung von seiner Frau in Griechenland verschwindet, ohne dass klar ist, wohin, ob er tot ist oder lebt, so geht die Geschichte laut Bähr. Viel mehr geschieht erst mal nicht, und als der Mann doch auftaucht, ist er tatsächlich tot, keine Erklärung, kein Verdächtiger, nichts. Wie kühl und distanziert die Autorin mit ihrem Stoff, mit den Orten und den Figuren verfährt, erstaunt Bähr. Und fasziniert sie. Das erstaunt die Rezensentin noch mehr. Sie möchte verstehen, aber da ist nichts zu verstehen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.04.2017

Karl Ove Knausgards Lob über Katie Kitamuras Roman "Trennung" stimmt Rezensent Ijoma Mangold gern zu. Dass es der amerikanischen Autorin weniger um die literarische Form als um die gnadenlose psychologische Durchleuchtung ihrer Figuren geht, stört den Kritiker nicht. Viel zu gebannt liest er dieses "klaustrophobische Kammerspiel", in dem eine namenlose Ich-Erzählerin ihrem Noch-Ehemann nach Griechenland nachreist, um ihn auf die Scheidung festzunageln, dort erfährt, dass er ermordet wurde und schließlich die Rolle der Witwe spielt. Wie Kitamura mit Illusionen und Illusionslosigkeit spielt, hat den Rezensenten beeindruckt.