Frank Schulz

Amor gegen Goliath

Roman
Cover: Amor gegen Goliath
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2024
ISBN 9783869712376
Gebunden, 752 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Ein Roman, der ins Herz der Klimabewegung und in die Hölle einer Angststörung führt. Cathi Weye, allseits beliebte und geschätzte Psychologin und in ihrer Freizeit klimakrisenkämpferisch hochaktiv, will auf einer griechischen Insel endlich mal richtig ausspannen - und die Beziehung zu ihrem geliebten, aber immer seltsamer werdenden Mann kitten, dem Ex-Bühnenkünstler Ricky Kottenpeter. Der versucht unglückseligerweise vor der Welt und seiner Frau zu verbergen, dass er unter heftigen Angststörungen leidet; statt neue Songs zu komponieren, verkriecht er sich daheim den ganzen Tag in seinem Proberaum und hier im Urlaub auf dem Zimmer, wo er nichts tut außer Beruhigungsmittel zu schlucken und seine Angst vorm Angsthaben zu bekämpfen. Die Zusatzangst, seine vergötterte Cathi zu verlieren, treibt ihn zudem zu zart enervierenden Eifersuchtsaktionen. Nebenan der flamboyante Philipp Büttner, gleich mit zwei Frauen und einer Mission. Der mit allen Wassern gewaschene Journalist und Frauenheld will einen Coup landen: Ein 'Konfusius' genannter Zausel sorgt mit seinen bizarren Auftritten und wortmächtigen Strafpredigten wider die naturzerstörende Menschheit für mächtig Wirbel im Internet. Nur weiß niemand, wer er ist und was ihn antreibt. Büttner vermutet ihn auf der Insel und will die große Enthüllungsgeschichte.  Bei so viel Erholungsbedarf und gemeinsamem Gesprächsstoff kommen sich Cathi und Büttner bald bedrohlich nahe. Und neben Klima- stehen bald ganz andere Katastrophen ins Haus.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 19.11.2024

Rezensent Ralph Gerstenberg arbeitet sich insgesamt mit ziemlich viel Freude durch Frank Schulz' neuen Mammutroman. In dem wieder einmal, beschreibt er, die großen Themen der Zeit verhandelt werden, Klimawandel und Liebe vor allem, aber auch der aufkommende Rechtsextremismus. Im Zentrum der Handlung, die selbst gar nicht mal so im Zentrum steht, immer wieder hinter virtuose Sprachspiele zurücktritt, stehen zwei Männer, heißt es weiter. Zum einen ist da, beschreibt Gerstenberg, Ricky Kottenpeter, ein Werbekomponist, der von Ängsten hinsichtlich des Klimakollaps geplagt wird und außerdem eifersüchtig beäugt, wie sich seine deutlich pragmatischer auftretende Frau Cathi Weye mit anderen Männern umgibt. Einer davon ist als zweite Hauptfigur, Dr. phil. Philipp Büttner, Frauenheld und Journalist. Insgesamt ergibt sich aus diesen und anderen Handlungselementen ein umfassendes Gesellschaftspanorama, dem Gerstenberg nicht zuletzt aufgrund von Schulz' Sinn für Humor auch über die gesamte, epische Länge des Buches gerne folgt. Dass hier aktuelle gesellschaftliche Probleme mit Vorliebe aus einer eher verbiesterten, weiß-männlichen Akademikerperspektive ausgebreitet werden, stört den Rezensenten nicht allzu sehr.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024

Endlich ist Frank Schulz zurück, jubelt Rezensent Edo Reents in seiner überschwänglichen Besprechung dieses Monuments eines Romans, der von Klimakrise über Corona bis hin zur griechischen Mythologie alles in der Geschichte zweier Paare im Kreta-Urlaub verarbeitet, um eine Art erzählerischen "gordischen Knoten" zu schaffen. Zwischen "Berufszynikern" und post-hippieeskem Geist" hat Reents hier große Freude an einem Roman, der bewusst unabgeschlossen, kunstvoll gefertigt ist und ihn an Größen wie Dostojewski und Nabokov erinnert - ein Roman, der einen auch stilistisch so umhaut, dass man danach ein besserer Leser ist, ist er sich sicher.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.10.2024

Rezensent Andreas Rüttenauer war zunächst etwas skeptisch, findet den neuen Roman von Frank Schulz aber durchaus gelungen. Die skurrilen Figuren dieses Romans versammeln sich auf Kreta: Da ist erstmal Cathi, Psychologin und Klimakämpferin. Und da ist der in die Jahre gekommene Veführer Philipp Büttner, der dort eigentlich einen flotten Dreiher erleben wollte, sich letztendlich aber vergebens an Cathi ranschmeißt. Außerdem geht es eben ums Klima, wobei Rüttner da schon zwischendurch irritiert ist. Die große Botschaft lautet hier nämlich: Der Klimakrise mit Liebe begegenen. Aber es funktioniert, stellt der Rezensent fest. Dass Schulz zuweilen so schreibt, als würde er sich über seine Figuren lustig machen, sieht er als Strategien, um den Leser an die Lektüre zu binden, was diesem dichten Roman auch gelingt, meint Rüttenauer. Die "wohl gepflegten Unsinnsformulierungen" vergnügen den Rezensenten und, dass man bei der Lektüre immer wieder denkt, diesen oder jenen Satz habe man bestimmt selbst einmal gesagt, stellt ihm zufolge definitiv eine Stärke dieses Romans dar. Damit holt Schulz seine Leser ein, ein durchaus "geschmeidiges literarisches" Manöver, lobt der Kritiker.

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