John Le Carre

Der Taubentunnel

Geschichten aus meinem Leben
Cover: Der Taubentunnel
Ullstein Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783550080739
Gebunden, 384 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Was macht das Leben eines Schriftstellers aus? Die Einsamkeit des Schreibens? Mit dem Welterfolg von "Der Spion, der aus der Kälte kam" gab es für John le Carré keinen Weg zurück in die Abgeschiedenheit. Er kündigte seine Stelle im diplomatischen Dienst, reiste zu Recherchezwecken um die halbe Welt - Afrika, Russland, Israel, USA, Deutschland - und traf die Mächtigen aus Politik- und Zeitgeschehen, aber auch aus dem Filmgeschäft. So entstand eine realitätssatte Literatur, die den Nerv der Zeit trifft. In seinen Memoiren blickt John le Carré zurück auf sein Leben und sein Schreiben.

Im Perlentaucher: Oberste Liga

Er quittierte seinen Dienst, doch scheint er es sich nicht nachhaltig mit den Hierarchen verscherzt zu haben. Vielleicht weil er sie in seinen Romanen höchstens zu Bürokraten und Trotteln gemacht hat, nie zu Mördern wie Graham Greene, dessen Abfall vom Glauben viel subversivere Kräfte freigesetzt hatte. In aller Welt trafen sich Machthaber, Geheimdienstchefs und Revolutionäre gern mit le Carré. Er dankt es ihnen mit schillernden Geschichten. Thekla Dannenberg in Mord und Ratschlag

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.11.2016

Rezensent Adam Soboczynski hätte so gern etwas über John LeCarres Agententätigkeit erfahren und wird doch von der Diskretion des Thriller-Autors enttäuscht. Dennoch kann der Kritiker diese autobiografische Anekdotensammlung empfehlen: Zum einen, weil er hier etwa liest, wie LeCarre die "Dumpf- und Bedrücktheit" der Nachkriegsjahre in Bonn wahrnahm, oder was er bei seinen Recherche-Reise nach Vietnam, Kambodscha, Russland oder Kenia erlebte. Zum anderen, weil der Autor von seinen Erlebnissen wunderbar unterhaltsam erzählt, schließt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.10.2016

Rezensentin Sylvia Staude erkennt in dem John Le Carre der hier versammelten autobiografischen Texten den Spion und Gentleman wieder, gesegnet mit diskreter Beobachtungs- und fairer, stets leicht ironischer Beurteilungsgabe. Mit klaren Worten außerdem, aber ohne den Willen, jemanden bloßzustellen. Der charmante Plauderton im Buch täuscht Staude allerdings nicht darüber hinweg, dass der Autor eine Abwesende als Mutter und einen fantastischen Schwindler als Vater hatte, dass er es mit faulen Regisseuren und dummen Diplomaten zu hatte und seine "rechtschaffene Wut" nicht immer ganz im Zaun halten kann. Auch ohne große Interna aus der Welt der Spione macht das Buch der Rezensentin Spaß. Der Heiterkeit und Selbstironie des Autor sei Dank!

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.10.2016

Wenn John le Carré Geschichten aus seinem Leben erzählt, fühlt sich Franziska Augstein ebenso gut unterhalten wie mit den Romanen des Autors. Das Buch besticht für sie durch Glaubwürdigkeit, eine leichte Sprache, Spannung, Witz und jede Menge Anekdoten über Filmschauspieler und die Figuren in den Romanen des Autors. Dass der Autor über seine eigene Vergangenheit als MI6-Mitarbeiter schweigt, kann sie verkraften. Dafür prahlt Le Carré auch nicht mit Auszeichnungen, versichert Augstein. Sein Hauptanliegen sei Unterhaltung, und die funktioniert am besten über die Identifikation des Lesers mit dem Gelesenen. Weil das im Buch so gut funktioniert, hält Augstein es für eins der besten unter den autobiografischen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2016

Wenn einer, dessen Biografie erst vor wenigen Monaten erschienen ist, kurz darauf seine eigenen Memoiren veröffentlicht, liegt die Vermutung nahe, er habe das Bedürfnis, das Bild zurecht zu rücken. Ob dieser Verdacht im Falle John le Carrès berechtigt ist, kann Rezensentin Gina Thomas nicht beantworten. Über kleinliche Korrekturen ist der Spionageschriftsteller allerdings definitiv erhaben, räumt sie ein. Viel mehr könne man beim Lesen von "Der Taubentunnel" die Freude spüren, die der Autor bei der Schilderung seiner Erlebnisse und Erfahrungen aus eigener Sicht gehabt haben muss. Einige der Episoden in le Carrès Memoiren überschneiden sich mit den Geschichten in Adam Sismans zuvor erschienener Biografie, doch jeder stilistische Vergleich muss zugunsten des Autobiografen ausgehen, meint Thomas. Mit jeder Menge Charme, erzählerischer Raffinesse und dem untrügbaren "Agentenblick", so die verzückte Rezensentin, plaudert der Autor über sein Leben, wobei man nie ganz sicher sein könne, wo Erinnerung und Fiktion verschwimmen.
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