Bulgarien in den 1970er-Jahren. Mitten im Sozialismus führen die Finzis das Leben der Bohème: Da ist der elegante Großvater, der seine Hüte noch aus den Zeiten des Zaren retten konnte. Die zähe Großmutter Mathilda, die die stalinistische Psychiatrie samt Elektroschocks und Eiswasser überlebte. Die Mutter, die es versteht, aus einer Scheibe Parmaschinken die ganze Leichtigkeit des Dolce Vita zu ziehen. Und der Vater, der seinem Sohn auf einer Reise in den Westen das Tor zur Freiheit aufstößt: Diese bunte, vielgestaltige Welt erkundet der junge Samuel und ahnt schon bald, dass das Glück jenseits der engen Grenzen der Heimat wartet. Samuel Finzi erzählt vom Paradies der Kindheit und der Revolte der Jugend, verwebt Vergangenes und Gegenwärtiges und schreibt ganz nebenbei über das gelingende Leben im falschen System.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.05.2023
Rezensent Andreas Scheiner lobt Samuel Finzis Erinnerungen an eine Kindheit im sozialistischen Bulgarien. Dass der Schauspieler ganz unverkopft von gefüllten Tomaten im Kommunistischen Jugendbund und ersten Kino- und Zirkuseindrücken berichtet, gefällt Scheiner. Fein ironisch wird Landes- und Familiengeschichte in fantastischen Miniaturen verhandelt, schwärmt der Rezensent. Ein lakonisch erzählter Entwicklungsroman autobiografischer Art ganz ohne Effekthascherei, so Scheiner erfreut.
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