Die Deutschen sind Meister der Selbstkritik. Dabei macht das Land es besser, als viele denken, sagt John Kampfner. Der Autor ist Brite und zeigt, wie sehr sich das Deutschland-Bild im Ausland in den letzten Jahren verändert hat. Die deutsche Politik hält er für vorbildlich: Finanz- und Flüchtlingskrise - kaum ein anderes Land navigiere so erfolgreich und souverän durch schwierige Zeiten. Sogar die Corona-Bekämpfung hält er für größtenteils erfolgreich. Während anderswo autoritäre Politiker und Populisten regieren, sei Deutschland ein Bollwerk aus Anstand und Stabilität. Den Grund dafür sieht Kampfner vor allem in der soliden Politik Angela Merkels und in der kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit; darin liegt für ihn der Schlüssel zu einer sensiblen Demokratie.
Rezensent Michael Kuhlmann empfiehlt den Deutschen John Kampfners Optimismusspritze. So wie Kampfner die Deutschen und Angela Merkel sieht, schön überzuckert, sehen die Deutschen sich vor lauter German Angst und Nörgelei wohl eher selten, ahnt Kuhlmann. Die gekürzte deutsche Ausgabe des Buches, in dem der Autor liebevoll die Verdienste der Deutschen nach '45 aufzählt und selbst deutsche Probleme mit Optimismus angeht, erscheint Kuhlmann als Plädoyer für mehr deutsches Selbstbewusstsein und "Denk-Korrektur". Über ein mangelhaftes Lektorat sieht der Rezensent da gern mal hinweg.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.04.2021
Rezensentin Claudia Schwartz hält das Buch des britischen Kolumnisten und Deutschlandkenners John Kampfner für Lektüre zur rechten Zeit. Wie der Autor den Deutschen den Spiegel vorhält, einer Bilanz der Merkel-Ära quasi vorauseilend, findet Schwartz lesenswert, auch wenn Kampfners Lob der deutschen Regierung angesichts jüngster Entwicklungen beim Corona-Management fragwürdig erscheinen mag. Wiedervereinigung, Flüchtlingskrise, Außenpolitik - für den Autor Beispiele gelungener Politik. Dass Kampfner bei allem Lob auch die Fehler benennt (Beispiel: Russlandpolitik), gefällt Schwartz. Den vom Autor empfohlenen Machtanspruch des Landes sieht sie allerdings kritisch.
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