Helmut Schmidt

Auf dem Weg zur deutschen Einheit

Bilanz und Ausblick
Cover: Auf dem Weg zur deutschen Einheit
Rowohlt Verlag, Reinbek 2005
ISBN 9783498063856
Gebunden, 223 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

"Heute kann von einem Aufholprozeß des Ostens keine Rede mehr sein. Die Wertschöpfung im Osten liegt bei weniger als zwei Dritteln; ohne die Finanztransfers aus dem Westen läge sie nur bei der Hälfte. Immer noch hat die große Mehrheit der Deutschen nicht verstanden, dass die Zukunftsfähigkeit unseres Landes entscheidend davon abhängen wird, ob und wie schnell es uns gelingt, im Osten des Vaterlandes annähernd gleiche ökonomische Bedingungen herzustellen wie im Westen. Was also ist zu tun? Wir brauchen für die Wirtschaft im Osten eine besondere, allein den Osten begünstigende wirtschaftspolitische Anstrengung. Dafür liegen mindestens drei Vorschläge auf dem Tisch, die der gleichzeitigen Verwirklichung bedürfen." (Helmut Schmidt)

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2006

Verpasste Chancen, Lethargie, katastrophale Wirtschaftslage - für den "pra." zeichnenden Rezensent stellt sich die Situation in Ostdeutschland düster dar. Auch die Reden und Aufsätzen in vorliegenden Band des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt beschönigen sie nicht. Schmidt verweise auf zahlreiche Fehler, die in den entscheidenden ersten Jahren der Wiedervereinigung gemacht wurden, etwa bei der Währungsreform oder der Treuhandanstalt. Der Rezensent betont indes, dass sich Schmidt in einem Aufsatz zu den Perspektiven für Ostdeutschland zwar "skeptisch", aber "nicht hoffnungslos" äußert. Dazu bedarf es nach Ansicht Schmidts allerdings einer Veränderung der heutigen Politik, ansonsten bleibe der Osten auf lange Zeit eine Krisenregion und "die gesamtdeutsche finanzpolitische Kalamität" (Schmidt) werde nicht behoben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.11.2005

Annette Weinke stellt zwei Bücher zur Wiedervereinigung vor, die zum 15. Jahrestag der deutschen Einheit erschienen sind. Helmut Schmidts Buch, das 16 zwischen 1989 und 2004 verfasste Texte und Interviews enthält, gewinnt nicht zuletzt deshalb das Wohlwollen der Rezensentin, weil es auf "dramatische Untertöne" völlig verzichtet, ohne jedoch den "Ernst der Lage" zu verschweigen. "Mutig" findet Weinke, dass auch Beiträge noch einmal abgedruckt worden sind, in denen sich Schmidt zur jeweiligen aktuellen Lage äußert, was bei "Interventionen zum politischen Tagesgeschehen" ja stets die Gefahr von "Fehlprognosen und Schönfärberei" birgt, wie die Rezensentin zu bedenken gibt. Schmidt allerdings formuliert bereits hier "nüchtern und klar" Probleme und "Einwände" zur Wiedervereinigung, die sich später als richtig herausgestellt haben, lobt Weinke. Der ehemalige Bundeskanzler übt wie zu erwarten "harsche Kritik" an Kohls Politik, verschweigt aber auch dessen Verdienste um die deutsche Einheit keineswegs, stellt die Rezensentin weiter fest, die alles in allem von diesem Buch sehr eingenommen ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2005

Wohlwollend bespricht Gregor Schöllgen diesen Band von Helmut Schmidt, in dem der Altbundeskanzler eine Bilanz des deutschen Vereinigungsprozesses zieht. Bei allen Unterschieden der Anlässe und der Fragestellungen sieht Schöllgen in den sechzehn Beiträgen des Bandes, die Schmidt zwischen Dezember 1989 und August 2004 veröffentlichte, eine Gemeinsamkeit: die Mahnung. Schöllgen hört aus den Beiträgen auch eine gewisse Enttäuschung Schmidts über die zahlreichen Fehler heraus, die bei der Wiedervereinigung überflüssigerweise gemacht wurden. Schmidt selbst habe an den Problemen, die sich im Falle einer Wiedervereinigung auftun würden, nie einen Zweifel gelassen. Zur Freude des Rezensenten bietet Schmidt jedoch nicht nur Kritik und Klagen, sondern muntert auf und macht Vorschläge. Beeindruckt hat Schöllgen an dem Band aber noch etwas anderes: "In seinen Beiträgen wird etwas von jener Sensibilität spürbar, die ihn stets auch ausgezeichnet hat und die erklären dürfte, warum der Mann in diesen Tagen so populär ist."