Als erster Alleinherrscher Roms seit der Königszeit ist L. Cornelius Sulla eine Schlüsselgestalt der untergehenden Republik. Wiederholte, unvorhersehbare Veränderungen seines Auftretens und seiner Persönlichkeit machen die Wendepunkte in seinem Leben gleichzeitig zu Zäsuren der römischen Politik und Sozialgeschichte: vom ärmlichen Playboy ohne Perspektiven zum Diplomaten und Berufskrieger, vom entwurzelten Warlord in einem Zweifrontenkrieg zum Machthaber mit merkwürdig gehemmten Ambitionen und zum Pensionär. Für zusätzliche Probleme sorgten die langsame Auflösung von Sullas System und die fast einstimmige Ablehnung durch die Nachwelt. So ergibt sich für Jörg Fündling die reizvolle Aufgabe, einer Hauptperson zu folgen, die ihrer Zeit aus unserer Perspektive bald voraus, bald in feindlichem Gegensatz zu ihr und dazwischen erstaunlich oft genau auf ihrer Höhe ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.07.2011
Ein zweischneidiges Urteil fällt Rezensent Michael Stallknecht über die von Jörg Fündling verfasste Biografie des Feldherrn und Diktators Lucius Cornelius Sulla. Bis zu Sullas Einzug in Rom sei Fündlings Darstellung "kaum genießbar", befindet Stallknecht, weil sein Versuch, die trockene Kriegsgeschichte aufzupeppen, sich in einem fragwürdigen Umgang mit den Quellen ebenso wie in unhandlichen Formulierungen und "windschiefen Metaphern" niederschlage. Der Analyse der nur knapp zweijährigen Regentschaft Sullas über Rom hingegen kann Stallknecht umso mehr abgewinnen. Der Autor konzentriere sich hier auf die Widersprüche zwischen ideologischem Anspruch und Herrschaftspraxis, wie zu erfahren ist: Sullas erklärter Konservatismus kontrastiere demnach scharf mit den zur Wiedererlangung einstiger römischer Größe eingesetzten politischen Mitteln. Vergleiche zu modernen Diktaturen seien in dem Buch lediglich in Ansätzen zu finden, was Stallknecht als Pluspunkt wertet. Dafür aber hätte sich der Kritiker eine genauere Verortung der von Sulla gebrauchten Machtinstrumente im antiken Kontext gewünscht.
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