Aus dem Englischen von Karl Heinz Siber. Wenn die Philosophen Trauer tragen! Wir kennen den edlen Römer Seneca, den Stoiker und Autor ethischer Schriften, der mit verklärtem Blick seinen Tod erwartet. Aber es gibt noch einen anderen Seneca - den skrupellosen Politiker und Tyrannenlehrer, der als engster Berater Neros fungiert. Seine Geschichte erzählt James Romm in diesem Buch über das alltägliche Sterben am Hof des Kaisers.
Wird es Seneca als Erzieher des jungen Nero gelingen, seinen Zögling zum ersten römischen "Philosophenkönig" zu formen? Dem steht der Sinn eher nach Musik, Frauen und rauschenden Gelagen. Kaum dass er im Jahre 54 seine Regierung antritt, beginnt sich eine Spirale aus Verunsicherung, Misstrauen und Größenwahn zu drehen. Mit scharfem Blick für die Windungen der neronischen Tyrannenherrschaft zeichnet Romm das Grauen nach, das bald in Rom um sich greift. Dort sterben nicht nur vermeintliche Konkurrenten - nein, das Blutvergießen Neros gipfelt im Mord an der eigenen Mutter. Der Kaiser lässt sich auch nicht die Chance entgehen, nach einer gescheiterten Verschwörung in einer wahren "Säuberung" die führenden Senatoren hinzurichten. Schließlich ist Seneca selbst an der Reihe und muss erkennen, dass sich die süße Milch der Weisheit, mit der er seinen Schüler einst nährte, in das Gift eines Ungeheuers verwandelt hat.
Rezensent Jens Jessen erlebt "ganz großes Kino" bei der Lektüre von James Romms Buch "Seneca und der Tyrann". Gespannt und ergriffen verfolgt er darin, wie Kaiser Nero den Philosophen Seneca in den Suizid treibt. Neue Erkenntnisse scheint das dem Rezensenten allerdings nicht zu bescheren, da Romm wie alle Althistoriker nach ihm lediglich die bereits kritischen Auslegungen der antiken Geschichtsschreiber wiedergeben kann. Das gelinge dem Autor allerdings besonders im Falle von Cassius Dio und Tacitus ganz fabelhaft und anschaulich - Romm steht seinen antiken Vorgängern in der Entfaltung des Dramas in nichts nach, freut sich Jessen.
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