Weltweit geraten Gesellschaften aus dem Gleichgewicht - innerlich zerrissen durch Debatten über Schuld und Wahrheit. Doch was wäre, wenn wir die Kraft von Erzählungen neuentdecken würden - nicht als Waffen im Meinungskampf, sondern als Brücken zwischen Menschen? Joana Osman,Tochter eines palästinensischen Vaters, weiß um die Kraft von Narrativen und zeigt, wie Geschichten nicht nur spalten, sondern auch verbinden können - als Grundlage einer neuen, radikal empathischen Welt. Osman reflektiert über ihre friedensaktivistische Arbeit und bringt das entscheidende Defizit auf den Punkt: Erst wenn wir bereit sind, die Perspektiven und Traumata der "anderen Seite" zu sehen, können wir einander wirklich begegnen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 14.10.2025
Kein gutes Haar lässt Rezensent Frank Dietschreit an Joana Osmans Reflexionen über den Frieden. "Rührend, naiv und illusorisch" findet der Kritiker Osmans Gedanken zu einer Friedensutopie und zu einem positiven "Storytelling", das man den Narrativen von Hass und Gewalt entgegen setzen sollte. Ihre Idee von Frieden beruhe größtenteils auf den Analysen von Friedensforscher Johann Galtung, erklärt der Kritiker, der zwischen "negativem" und "positivem" Frieden unterscheidet. Ein nachhaltiger, "positiver" Frieden kann nur entstehen, wenn eine Gesellschaft auf Empathie und Solidarität aufbaut, nicht allein durch die Abwesenheit von Gewalt. Der Kritiker findet das alles oberflächlich und wenig analytisch, "politischer Kitsch", angereichert durch abstrakte Begriffe wie "Polykrise", die Osman allerdings nicht angemessen durchdenke. Den richtigen Weg zu einer friedlichen Gesellschaft sieht Dietschreit hier nicht beschritten.
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