Die Komplexität des Nahost-Konfliktes erschließt sich vielen Beobachtern nur lückenhaft. In der vorwiegend auf Aktualität und Kürze der Darstellung konzentrierten Berichterstattung der Medien werden viele Aspekte nicht oder nur ungenügend berücksichtigt, das von ihnen vermittelte Bild bleibt oft einseitig. Wie schwer sich selbst eine so prominente Zeitung wie die FAZ damit tut, über dieses Geschehen lückenlos und in sich schlüssig zu berichten, zeigt Kenneth Lewan in diesem Buch.
Überzeugend findet Georg Baltissen dieses Buch, in dem der Politikwissenschaftler Kenneth Lewan am Beispiel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aufzeigt, wie ideologisiert die Berichterstattung und Kommentierung der zweiten Intifada ist. Baltissen berichtet, dass der Autor bei seinen Analysen der Zeitungsartikel einen "Kampf zweier Linien" ausmacht - zwischen den Korrespondenten, die vor Ort und aus eigener Anschauung berichten und kommentieren, und den Redakteuren, die - um der politischen Ausgewogenheit willen - dagegenhalten zu müssen glauben. Dabei könne Lewan zeigen, dass die Bewertung der Vorgänge, die zur zweiten Intifada führten - das Scheitern der Verhandlungen in Camp David und die willkürliche Erschießung palästinensischer Demonstranten am Tag nach dem Auftritt Scharons auf dem Tempelberg - in den Kommentaren der FAZ kaum widersprüchlicher hätte sein können. Vielfach wurde kritische Rationalität zugunsten ideologisch verbrämter Prämissen aufgegeben, benennt Baltissen ein Ergebnis von Lewans Buch. "Nicht nur in den Redaktionsstuben der FAZ", resümiert er dann, "ist eine Diskussion des Buches deshalb mehr als angebracht."
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