Klappentext
Hamzas Kindheit ist geprägt von dem Duft von Jasmin und Schießpulver - er wächst auf an einem Ort, den es so nicht mehr gibt: Gaza. Als Kind sammelt er mit seinem Vater Muscheln am Strand, erlebt aber auch tagtäglich den blutigen Einfluss der Hamas auf die Menschen, die dort leben. Jahre später protestiert er dagegen, er wird verhaftet, gefoltert und muss schließlich fliehen. Seine Stimme hat er nicht verloren, immer wieder äußert er sich kritisch gegenüber Extremismus auf beiden Seiten - eine wahre Geschichte von Verlust, Mut und der ungebrochenen Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.07.2026
Rezensent Ulrich Gutmair ist tief beeindruckt von diesem Buch - schon, dass es den Opfern sowohl des 7. Oktobers als auch des Kriegs in Gaza gewidmet ist, spricht für den außergewöhnlichen Humanismus des Autors. Über weite Strecken romanhaft schreibt Hamza Abu Howidy über sein Leben in Gaza. Howidy schildert, wie er, nachdem er zunächst eine religiöse, Hamas-nahe Schule besuchte, später mit der Religion bricht, eine Entwicklung, die auch mit seinem Vater zu tun hat, der ihm beibringt, alle Autoritäten zu hinterfragen. In ähnlicher Weise beginnt er bald zu erkennen, dass nicht alle Israelis, wie es in seinem Umfeld gepredigt wird, böse sind. Howidy schließt sich in Gaza Anti-Hamas-Protesten an und ist später, im Exil, entsetzt darüber, wie arabische Medien die Grausamkeiten der Hamas glorifizieren. Auch westliche Palästina-Unterstützer kommen bei ihm schlecht weg, weil sie sich, im Glauben, auf der richtigen Seite zu stehen, letztlich gar nicht für die Menschen vor Ort interessieren. Stattdessen inszenieren sie sich als "White Saviours", die im Übrigen, darauf weist Gutmair hin, nicht zwingend weiß sein müssen, schließlich finden sich unter den westlichen Palästinafreunden auch viele privilegierte Menschen aus dem globalen Süden. Gleichzeitig kritisiert Howidy auch die israelische Kriegsführung in Gaza scharf, was wiederum anderen Leuten in seinem Umfeld nicht gefällt. So wird Howidy im Exil in seinen eigenen Worten "der einsamste Palästinenser auf der ganzen Welt". Ein einfach zu lesendes Buch ist das nicht, meint Gutmair, aber die Lektüre lohnt sich unbedingt für alle, die sich wirklich für Gaza und den dortigen Hamas-Terror interessieren.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.06.2026
Rezensent Majd El-Safadi liest das Buch, das Hamza Abu Howidy zusammen mit der taz-Journalistin Judith Poppe verfasst hat, mit großem Interesse. Zu erfahren ist hier nicht nur eine Innensicht aus Gaza, sondern auch die Perspektive eines freiheitsliebenden Menschen, der seine Heimat nicht verleugnet, aber die Gewaltherrschaft der Hamas klar erkennt und benennt. Hamas als Terrororganisation, aber auch als diktatorische Regierung - diese Sicht im Buch erscheint El-Safadi wertvoll, weil sie die Abhängigkeit der Bevölkerung verdeutlicht. Die Fundamente der Hamas-Herrschaft, das Schüren des Hasses auf Israel zeigt der Autor laut Rezensent ebenso wie die Widersprüche in der palästinensischen Gesellschaft und das Aufbegehren, das er selbst mit Folter bezahlt hat. Eine lesenswerte Innensicht aus Gaza und ein Psychogramm der Hamas, findet El-Safadi. Dass der Autor sich trotz allem die Hoffnung auf eine Lösung des Konflikts bewahrt, findet er erstaunlich.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 12.06.2026
Als "Gegenteil von Propaganda" bezeichnet Rezensent Carsten Hueck das Erinnerungsbuch des palästinensischen Autors Hamza Abu Howidy. Anschaulich und eingängig schildert Howidy darin seine Kindheit und Jugend im von der Hamas kontrollierten Gaza, seine Entwicklung vom indoktrinierten Nationalisten und gläubigen Muslim zum kritischen Denker, der jede vermeintliche Gewissheit hinterfragt, jeden alten Glaubensatz, mit dem er aufgewachsen ist und der heute an ihn herangetragen wird. Und genau das zeichnet dieses Buch und diesen Autor aus, so Hueck: Er bleibt kritisch gegen alle verfestigten Positionen, dekonstruiert Vorurteile in alle Richtungen, verweigert sich jeglichem Schwarz-Weiß-Denken und ruft andere immer wieder dazu auf, dasselbe zu tun - einander zuzuhören. Er tut dies, ausgerüstet nicht nur mit dem nötigen theoretischen Wissen, sondern auch mit der praktischen Erfahrung eines Menschen, der in Gaza aufgewachsen ist, dort gelebt hat, von dort geflüchtet ist und heute geduldet in Deutschland wohnt. "Muscheln am Strand von Gaza" liefert somit beides: Die kritische Außenansicht als auch eine facettenreiche Innenansicht Gazas und der realen Lebensverhältnisse dort. Somit ist das Buch vielleicht nicht nur Gegenteil, sondern auch Gegengift zur Bekämpfung der Propaganda, zur Entgiftung von jeglichen Stereotypen und Dogmen, so der Rezensent.
Buch in der Debatte
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