In der internationalen neurobiologischen Forschung ist zunehmend vom »social brain« die Rede. Die Erkenntnis: Wir sind nicht primär auf Egoismus und Konkurrenz eingestellt, sondern auf Kooperation und Resonanz. Das Gehirn belohnt gelungenes Miteinander durch Ausschüttung von Botenstoffen, die gute Gefühle und Gesundheit erzeugen. Kern aller Motivation ist es, zwischenmenschliche Zuwendung, Wertschätzung und erst recht Liebe zu finden und zu geben. Was wir im Alltag tun, wird meist direkt oder indirekt dadurch bestimmt, dass wir sozialen Kontakt gewinnen oder erhalten wollen. Bei dauerhaft gestörten Beziehungen oder dem Verlust von Bindungen kann es zu einem "Absturz" der Motivationssysteme kommen. Dann - und erst dann - setzen Aggressionen ein.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.11.2006
Rezensent Burkhard Müller betrachtet das Buch "Prinzip Menschlichkeit" des Biologen Joachim Bauer äußerst skeptisch. Für berechtigt hält er zwar die Intention des Autors, die darwinistische Sicht des Menschen als egoistisches, von Natur auf Kampf ausgerichtetes Individuum kritisch zu hinterfragen. Die Umsetzung aber hat Müller nicht überzeugt. Vor allem hält er dem Autor vor, "ungründlich" zu denken und schlecht zu argumentieren. Bauers These von der Kooperation zwischen den Menschen als wichtigster anthropologischer Konstante kann er sich nicht anschließen, sieht er doch in der Kooperation ein bloßes Verhältnis, das die einzelnen Individuen, zwischen denen sie stattfindet, voraussetzt. Auch die These, schon bei der Entstehung des Lebens gebe es auf molekularer Ebene Kooperation, weist er zurück. Generell moniert er Bauers Umgang mit dem Darwinismus: Statt eine umfassende, adäquate Kritik zu formulieren, lege er diesem gleichsam "Ellenbogenschober" an, um seine Härten zu mildern. Schließlich ärgert sich Müller über die "Gedankenlosigkeit", die für ihn aus vielen Formulierungen des Autors spricht.
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