Aus dem Französischen von Jürgen Schröder. Lange Zeit galten Neurobiologie und Psychoanalyse als unvereinbar. Während die Neurowissenschaft versuchte, physiologischen Gesetzen auf die Spur zu kommen, und sich daher eher auf empirisch verifizierbare biologische Prozesse konzentrierte, untersuchte die Psychoanalyse psychische Prozesse und insbesondere den Einfluß von Wahrnehmungen, Ereignissen und frühkindheitlichen Einflüssen auf die Psyche. In jüngster Zeit hat jedoch ein überraschend fruchtbarer Dialog eingesetzt, der in der jeweils anderen Wissenschaft theoretische Modelle entdeckt, die auch der eigenen Forschung neue Impulse geben können. Im Zentrum dieses Dialogs steht dabei das Konzept der Plastizität des Gehirns, das in der heutigen neurobiologischen Forschung von zentraler Relevanz ist. Die neuronale Entwicklung ist, so zeigen die aktuellen Forschungen, keineswegs nach einigen Jahren abgeschlossen, sondern das Gehirn erweist sich als ein erstaunlich veränderbares Organ, das jederzeit offen für neue Eindrücke und Erfahrungen ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.02.2006
Eine spannende Aufgabe haben sich der Kinderpsychiater François Ansermet und der Neurowissenschaftler Pierre Magistretti nach Ansicht von Burkhard Müller gestellt: Neurobiologie und Psychoanalyse zusammenzubringen, um das komplexe Zusammenspiel von physisch-chemischen Prozessen im Gehirn und psychologischen Vorgängen besser zu verstehen. Das Ergebnis dieser Kooperation der beiden Autoren löst bei Müller allerdings Ernüchterung aus. Weit gekommen sind Ansermet und Magistretti seines Erachtens nämlich nicht. Immerhin findet er in dem Buch eine ausführliche Darstellung der komplexen Vorgänge des Nervensystems, die so etwas wie die Individualität des Gehirns begründen. Beeindruckt zeigt er sich zudem von der Psychoanalyse, die immer neuen Figuren der Freud-Exegese entwickle. Insgesamt erscheint ihm das Buch aber ein wenig wie der "angestrengte Zwischenbericht in der frühen Phase eines großen Projekts", dessen Wert eher "beschränkt" sei.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 10.11.2005
Seit die Neurowissenschaften boomen, ist in allen Disziplinen angesagt, unkt Rezensent Harald Welzer, seines Zeichens Sozialpsychologe, die "Anschlussmöglichkeiten" des eigenen Fachs an das Wörtchen "Neuro" zu prüfen. So haben sich die beiden Autoren - ein Kinderpsychiater und ein Neurowissenschaftler - zusammengetan, um die Neurobiologie und die Psychoanalyse zusammenzubringen. Sehr ambitioniert und eine Spur zu großspurig für den Rezensenten. Der Schlüsselbegriff für ihre Herangehensweise heißt: Plastizität des Gehirns, so Welzer, doch darüber hinaus mag er ihren Überlegungen, wie man die Wahrnehmung als neuronalen Prozess und analogen Code verstehen kann, nicht folgen. Seltsamerweise scheine die Autoren ihre eigene Thesenkonstruktion nicht besonders zu interessieren, wundert sich Welzer; sie verfolgen sie nicht weiter, sondern referieren Fallbeispiele, ziehen bizarre Diagramme heran, sprechen überhaupt einen unverständlichen Fachjargon, der nur die Schlichtheit der Aussagen verberge. Am Ende wirken die Autoren auf Welzer recht kleinlaut: für ihn ist nicht viel mehr herausgekommen als "eine hübsche Begründung dafür, wieso die Psychoanalyse hilfreich sein kann".
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