Jens Thiel

Menschenbassin Belgien

Anwerbung, Deportation und Zwangsarbeit im Ersten Weltkrieg (Dissertation)
Cover: Menschenbassin Belgien
Klartext Verlag, Essen 2007
ISBN 9783898615631
Gebunden, 426 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Deportation und Zwangsarbeit werden noch immer zuerst mit dem Zweiten Weltkrieg in Verbindung gebracht. Doch es gab sie bereits im Ersten Weltkrieg in den von Deutschland besetzten Gebieten und in Deutschland selbst. Aufsehen erregten vor allem die Deportationen aus Belgien, während die in den östlichen Besatzungsgebieten durchgeführten Zwangsrekrutierungen national und international kaum Beachtung fanden. Noch 1918 und in der Zwischenkriegszeit kontrovers diskutiert, verschwand das Thema nach 1945 weitgehend aus den publizistischen und politischen Debatten. Jens Thiel stellt die verschiedenen Aspekte der Vorbereitung, des Einsatzes und der Behandlung der belgischen Arbeiter in der deutschen Kriegswirtschaft und in dem unter militärischer Kontrolle stehenden belgischen und nordfranzösischen Operations- und Etappengebiet während des Ersten Weltkriegs dar. Er berücksichtigt sowohl die Vorgeschichte als auch die Nachwirkungen der Deportationen. Der Einsatz der belgischen Zwangsarbeiter wird mit der Beschäftigung der angeworbenen belgischen Arbeiter in Deutschland verglichen. Besondere Aufmerksamkeit wird der Verflechtung wirtschaftlicher, sozialer, militärischer, politischer und ideologischer Faktoren ge-widmet, da die Arbeiterfrage in Belgien eng mit anderen Politikfeldern - etwa der Wirtschafts-, Sozial- oder Flamenpolitik - verknüpft war.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2008

Überzeugend findet Rezensent Eberhard Kolb dieses Buch über die Zwangsarbeit von Belgiern in Deutschland während des Ersten Weltkrieges, das Jens Thiel vorgelegt hat. Die umfangreiche Darstellung wertet er als rundum solide und gut geschrieben. Er bescheinigt dem Autor, den zum Deportationsbeschluss führenden Entscheidungsprozess sowie Vorbereitung, Ablauf und Ende der Deportation ausführlich zu schildern. Überdies bette Thiel die Darstellung der Zwangsrekrutierung in einen umfassenden Kontext ein. Kolb hebt zudem hervor, dass sich der Autor differenziert mit der Frage auseinandersetzt, inwiefern Deportation und Zwangsarbeit belgischer Arbeiter im Ersten Weltkrieg ein Vorbild für die Ausbeutung von Zwangsarbeitern in Nazideutschland abgegeben haben.
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