Jens Bisky

Kleist

Eine Biografie
Cover: Kleist
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2007
ISBN 9783871345159
Gebunden, 532 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Unermüdlich hat er seinen Platz in der Welt gesucht und fiel dabei von einem Extrem ins andere: Er verlässt das Militär, um zu studieren, aber rasch ekelt ihn vor allem Wissen, und er beschließt, Bauer zu werden. Aus einer preußischen Offiziersfamilie stammend, will er 1803 auf Seiten der Franzosen gegen England kämpfen, wird jedoch bald einer der unerbittlichsten Gegner Napoleons. Er tritt unter Reformern in die preußische Verwaltung ein und tauscht die sichere Karriere sofort wieder gegen die prekäre Dichterexistenz. Er möchte Goethe den Kranz vom Haupt reißen und redigiert Polizeinachrichten für die erste Tageszeitung Berlins. Er giert nach Ruhe und Ruhm. Er erwartet den Durchbruch, der ihm nie gelingt. Als Heinrich von Kleist sich 1811 am Kleinen Wannsee erschießt, ernennt ihn Fouque immerhin zu einem der "herrlichsten Selbstmörder, die es je gegeben hat". Jens Bisky fügt die Bausteine dieser Lebensgeschichte zum Porträt eines Mannes zusammen, der aus seiner Zeit herauszufallen scheint und doch zutiefst von ihr geprägt war. Dabei zeichnet er das facettenreiche Bild einer Umbruchsepoche und zeigt zugleich, warum Kleist zum ewigen Zeitgenossen wurde und niemand die Aktualität seines Werks bestreitet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.01.2008

Solide scheint Rezensent Manfred Koch diese Kleist-Biografie von Jens Bisky, die er neben der von Gerhard Schulz bespricht. Beiden Autoren bescheinigt er, seriös mit den Abschnitten von Kleists Leben umzugehen, die im Dunkeln liegen. Er schätzt die Distanz zu den oft "abenteuerlichen Rekonstruktionsversuchen" von vorangegangenen Arbeiten, die von Bisky gleichwohl referiert werden. Den Kern von Biskys Ansatz sieht er in der Betonung der Rolle von Autonomie und Freiheit in Kleists Leben. Die Interpretationen der Erzählungen und Dramen hält er zwar durchgehend für "klug". Aber er kritisiert bei Bisky die harsche Weigerung, Kleist auch am Leitfaden seiner komplexen sexuellen Veranlagung zu verstehen. Dies und die Überbetonung des Freiheitsbegriffs führt in Kochs Augen zu "merkwürdigen Auslassungen" bei der Interpretation des Werks.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.12.2007

Gerhard Neumann hat vier neue Kleist-Biografien gelesen, die er alle für ihre ganz unterschiedlichen Verdienste zu schätzen weiß und das, obwohl dieses Feld in der Germanistik bereits stark beackert wurde. Jens Bisky bemüht sich in seiner Lebensbeschreibung Kleist in den kulturgeschichtlichen Kontext, nicht zuletzt in den der Militärgeschichte zu stellen, erklärt der Rezensent. Außerdem interessiere sich der Autor besonders für Kleist als Publizist und stellt so in seinem Buch Kleist "im Strom der Geschichte" dar, lobt der Rezensent. Beeindruckend findet Neumann auch Biskys Interpretationsskizzen Kleistscher Werke, die ihn nicht nur durch sprachliche Eleganz, sondern auch durch "ausgewogene" Wertungen überzeugen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.11.2007

Ob Jens Bisky mit diesem Buch Kleists Preußen als "Präfiguration einer imaginären DDR" in die gesamtdeutsche Erzählung "heimholen" wolle? räsoniert Rezensent Michael Rutschky über diese Kleist-Biografie. Denn es fehlt ihm ein Anhaltspunkt für die Motivation für die Kleist-Beschau des SZ-Redakteurs. Zwar sei das Buch locker geschrieben, lesen wir, trotzdem kommt bei Rutschky "irgendwann Unlust" auf. Das hat für den Rezensenten unter anderem mit Biskys Strategie zu tun, statt eigene Hypothesen zu liefern, lieber auf Deutungen anderer zu verweisen - zum Beispiel was die Entdeckung von Parallelen in Kleists Leben und Werk betrifft. Und dass Bisky seinem Eindruck zufolge Kleist nicht zu enträtseln, sondern weiter als Rätsel zu behaupten versucht. Das geht für den Rezensenten aber am Zweck jeder Biografie vorbei, einem Genre, das den Deutschen aus seiner Sicht als literarisches Genre ohnehin abhanden gekommen sei. Auch Bisky schere da nicht aus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.11.2007

Mit hohem Lob bedenkt Rezensent Peter Michalzik diese Kleist-Biografie von Jens Bisky, für ihn neben Gerhard Schulz' gleichzeitig erschienenem Buch eines der besten Bücher über den Dramatiker überhaupt. Wobei er schon deutlich macht, dass ihm das Buch des Journalisten Bisky einen Tick besser gefällt als die gemessene Arbeit des Germanisten Schulz. Vor allem weil Biskys Buch seines Erachtens mehr Schwung hat, "beweglicher, schneller, streitbarer, pointierter" ausfällt. Besonders lobt er im Weiteren die anschauliche Darstellung, die Kleists Leben und seine Zeit "lebendig" macht, den Verzicht auf Spekulation und den souveränen Umgang mit der Kleist-Forschung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007

Nur wenig kürzer als die nahezu zeitgleich erschienene Kleist-Biografie von Gerhard Schulz ist die von Jens Bisky, die Rezensent Hans-Jürgen Schings in einer Sammelrezension bespricht. Er bestätigt Bisky eine kräftig zupackende Schreibweise sowie "kompositorisches Geschick". Schings gefällt offenbar der Biskysche Hauptgesichtspunkt seiner Betrachtung, nämlich dem Motiv der Freiheit und ihrem "Wahnsinn" in Kleist nachzugehen. Der Rezensent findet, dass diese Perspektive auf Werk und Leben des Schriftstellers recht gewinnbringend eingesetzt ist - wenn er auch mit einigen Werkinterpretationen Biskys ganz und gar nicht einverstanden ist.
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