Satzzeichen sind für Literatur konstitutiv, moderne Schriftlichkeit ohne sie undenkbar. Dennoch spielen die Zeichen, die zwischen den Wörtern stehen, in der literaturwissenschaftlichen Praxis nahezu keine Rolle. Von berühmten Beispielen wie Heinrich von Kleists Gedankenstrich in der "Marquise von O..." abgesehen, hat der virtuose Gebrauch von Satzzeichen, der sich bei großen Autoren der deutschen Literatur beobachten lässt, bisher keine angemessene stilistische Aufmerksamkeit gefunden. Dem vorliegenden Band geht es um eine literatur- und kulturhistorische, aber auch stilistische Rekonstruktion der vielfältigen Formen und Funktionen der Satzzeichenverwendung und -wahrnehmung. Die Beiträge entwerfen eine differentielle Beschreibung der Verwendung von Satzzeichen in Bezugstexten unterschiedlicher literarischer Epochen, Strömungen und Autoren. Ergänzt werden die 16 Originalbeiträge durch drei klassische Studien der Interpunktionsstilistik von Theodor W. Adorno, Hans-Georg Gadamer und Jürgen Stenzel.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2013
Alexander Nebrig und Carlos Spoerhase haben auf der Grundlage einer Ringvorlesung an der Berliner Humboldt Universität jetzt ein Buch mit gleichem Titel herausgebracht, berichtet Martin Maurach: "Die Poesie der Zeichensetzung". Vorangestellt sind jeweils ein Aufsatz von Theodor W. Adorno, Hans-Georg Gadamer und Jürgen Stenzel, die eine Textgrundlage für die darauffolgenden Analysen der Zeichen-Handhabe einzelner Dichter und Schriftsteller bieten sollen. Maurach lobt das Sturmlaufen gegen das "institutionalisierte Vergessen" der Bedeutsamkeit von Interpunktion, ihm wird allerdings auch bewusst, wie schwierig sich deren Auslegung gestaltet. Satzzeichen können "syntaktische, rhetorische, phono- und ikonografische sowie individualstilistische Funktionen" haben, die Interpretationen laufen Gefahr, durch eine theoretische Vorentscheidung Wesentliches zu verpassen, erklärt der Rezensent. Auch die Interpretationen in diesem Buch seien nicht davor gefeit, deshalb wundert es Maurach wenig, dass er sowohl auf reflektierte Analysen gestoßen ist als auch auf "ungenaue Übertragungen von Autorenpoetiken in eine vermeintlich moderne 'semiotische' Terminologie".
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