Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783737102438 Gebunden, 272 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Zunächst sieht alles nach Vergnügen aus: Man ölt die Bärte und trägt bauchfrei, Großstädter zelebrieren das "Bionade-Biedermeier", Tausende stehen für "Harry Potter" Schlange, via Facebook werden weltweite soziale Netzwerke geknüpft. In den Nullerjahren lebt der Mensch des Westens die maximale Selbstbestimmung, sorglos, befriedet. Doch die Feier der Freiheit zeigt bald ihre Schattenseiten. TV-Formate wie "Big Brother" bejubeln den gläsernen Menschen; aus dem Silicon Valley heraus entwickelt sich eine neue Kultur des entgrenzten Konsums; Peter Thiel und Elon Musk beginnen ihre Karrieren, Donald Trump steigt auf. Die offene Gesellschaft gerät unter Druck: 2001 beginnt der War on Terror, in Deutschland mordet der NSU, 2008 bricht die Weltwirtschaft ein und lässt die globale Ordnung erbeben.Jens Balzer nimmt uns mit auf einen flirrenden Erkundungsgang durch Popkultur und Politik der Nullerjahre und erzählt zugleich die Entstehungsgeschichte unserer Zeit. Er zeigt: Die Nuller sind ein Jahrzehnt der euphorischen Umarmung neuer Möglichkeiten, des Individualismus und der technologisch entgrenzten Freiheit - und der großen Enttäuschungen, die bis in unsere Gegenwart reichen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 07.08.2026
Rezensent Stefan Michalzik entdeckt viel Bekanntes im vierten Band von Jens Balzers Dekaden-Reihe. Nur so eloquent in Worte gefasst hat er es noch nicht gelesen. Balzers bildperformative Hintergrundanalysen zu 9/11, zu Britney Spears, zum iPhone und zu vielen weiteren Phänomen der Nullerjahre heben laut Michalzik ab auf die popkulturellen Wurzeln des Geschehens. Balzers nüchterne Gesellschaftsuntersuchungen unterscheiden sich wohltuend vom aufgeregten Aktivismus anderer Autoren, findet Michalzik.
Rezensent Norbert Zähringer gibt Entwarnung: In Jens Balzers Buch geht es nicht nur um Modetrends der Nullerjahre wie das Kickboard oder den Coffee to go. Es geht vor allem auch um gesellschaftliche Entwicklungen und Begriffe wie Biodeutscher oder Migrationshintergrund, auch wenn Balzer laut Zähringer weder eine soziologische Studie noch einen historischen Abriss schreibt, sondern eher einen "popkulturellen Sampler" über jene Zeit. Für Zähringer reizvoll, weil er viel Unbekanntes und sehr Vertrautes (wieder-)entdecken kann, Gangsta-Rap, Reality-TV oder Viagra etwa. Tragödien und Katastrophen kommen vor, die intellektuellen Diskurse, und Zähringer erkennt mit Schrecken, dass sich einige der damals beginnenden Entwicklungen nicht rückgängig machen lassen. Auf einem Foto im sieht er Elon Musk und Peter Thiel, die gerade Paypal gegründet haben. Das Buch findet Zähringer erkenntnisreich und nie langweilig.
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