Klappentext
Die Ideologie hinter Peter Thiel, Donald Trump und Co.Vom Tech-Milliardär Peter Thiel bis hin zum russischen Ultranationalisten Alexander Dguin - neuerdings bemühen alle ein biblisches Motiv: den Katechon. Als geheimnisvolle Kraft kann er das Böse aufhalten, seine irdische Gestalt soll wahlweise Trump oder Putin sein. Über eine Figur der politischen Theologie, mit der alles begründet, aber nichts erklärt werden kann. Wer ist der "Katechon"? Seit einiger Zeit verkünden rechte und religiöse Fundamentalisten, dass eine höhere Kraft den "falschen Verheißungen" des "Antichristen" entgegentrete. Diese Verlockungen gaukeln als Werte einer demokratischen und aufgeklärten Gesellschaft den Menschen Sicherheit und Stabilität vor, während sie doch in Wahrheit nur Werke des Teufels sind. Mit dem Katechon als "Aufhalter" dieses Bösen wird nun eine theologische Figur in den Dienst genommen, um die Politik der extremen Rechten zu legitimieren. Der Essay geht den Spuren des "Katechon"-Motivs bis in die Schriften des deutschen Staatsrechtlers Carl Schmitt nach.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.05.2026
Angeregt, aber auch kritisch bespricht Rezensent Mark Siemons Volker Weiß' Buch über einen Lieblingsbegriff der Neuen Rechten. Die Rede vom Katechon, dem griechischen Wort für das Aufhaltende, ist ursprünglich der Bibel entnommen, genauer gesagt dem zweiten Thessalonicherbrief, in der Gegenwart taucht das Wort unter anderem bei Peter Thiel und dem Putin-Propagandisten Alexander Dugin auf, auch einer der Stichwortgeber der Neuen Rechten, Carl Schmitt, verwendete es gern. Es geht diesen Autoren stets darum, das Katechon als etwas zu beschwören, was einer imaginierten liberalen Weltverschwörung Einhalt gebieten kann. Leider, kritisiert Siemons, beschränkt sich Weiß weitgehend darauf, die verschiedenen Stellen, an denen rechte Autoren sich auf Katechon beziehen, aufzuzählen sowie auf einer recht allgemeinen Ebene Verbindungen zwischen diesem Begriff und rechter Ideologie zu ziehen. Was das Katechon beziehungsweise überhaupt der Bezug auf politische Theologie dieser Ideologie tatsächlich hinzu fügt, wird dem Rezensenten aus der Lektüre nicht klar. Recht kleinteilig geht Siemons die einzelnen neueren Katechon-Verfechter durch und zeigt auf, dass Schmitt, Thiel, Dugin oder auch Martin Sellner unter dem Katechon durchaus Unterschiedliches verstehen - und dass sie sich in ihren Ausführungen allesamt weit von dem entfernen, was im ursprünglichen Bibelzitat angelegt ist. Eine interessante Denkfigur ist das Katechon jedenfalls auch für Siemons, nur leider hilft ihm Weiß' Buch nicht wirklich dabei, den Begriff sinnvoll zu entfalten.
Buch in der Debatte
Kommentieren

