Klappentext
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Oliver Lingner und Hans-Peter Remmler. Vom Wettlauf um die Entwicklung der ersten Atombombe über das angespannte Wettrüsten des Kalten Krieges bis hin zum Imperialismus und den Kriegen der Gegenwart - der renommierte Harvard-Historiker Serhii Plokhy zeichnet das komplexe Bild einer Welt, deren Schicksal von den Motiven der politischen Akteure abhängig und deren Zerstörung nicht selten nur ein Knopfdruck entfernt war. Heute, da Regierungen ihre Arsenale wieder aufrüsten, Verträge außer Kraft treten und Atomwaffen zunehmend in die Hände zweifelhafter Akteure gelangen, ist die Bedrohung aktueller denn je und wir stehen vor der entscheidenden Frage unserer Zeit: Was können wir aus dem nuklearen Wettrüsten der Vergangenheit lernen, um ein neues zu verhindern?
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 11.06.2026
Serhii Plokhy legt eine bedrückende Studie über die Rolle von Atomwaffen in der Weltpolitik vor, so Rezensent Arno Orzessek. Das Buch zielt dabei laut Orzessek auf den "ganz großen Überblick" und arbeitet sich deshalb an einer großen Menge an Themen ab, begonnen mit der Entwicklung der ersten Atombomben, die dann über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen werden. Auch um die sowjetische atomare Bewaffnung geht es, sowie um die Kubakrise, die sehr unterschiedlichen atomaren Strategien Israels und Nordkoreas oder um den gegenwärtigen Ukraine-Krieg, resümiert der Kritiker. Aufgrund der Materialfülle wird das meiste allerdings recht knapp abgehandelt - und anderes, etwa wissenschaftliche Hintergründe, fallen dabei ganz weg, bemängelt er. Das wenig erfreuliche Fazit, auf das das Buch laut Orzessek hinaus läuft: atomare Bewaffnung gilt in der Gegenwart mehr denn je als Sicherheitsgarantie für Nationalstaaten, weshalb allseits die Bestände erweitert und erneuert werden. Sicherer macht das die Welt nicht, so der Rezensent mit Plokhy - im Gegenteil.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2026
Interessiert liest Rezensent Thomas Speckmann dieses Buch des ukrainischen Historikers Serhii Plokhy, das sich mit der Geschichte der atomaren Bewaffnung befasst und einen Bogen spannt vom Abwurf der ersten Atombombe während eines Kriegsgeschehens auf Hiroshima und der Gegenwart des Ukrainekriegs. Ukraine und Russland sind, stellt Speckmann fest, für den Autor schon aus biographischer Hinsicht wichtig, Plokhy wurde als Kind ukrainischer Eltern in Russland geboren, studierte später in beiden Ländern. Es wundert deshalb nicht, dass das Budapester Memorandum von 1994, das den Abzug von Atomwaffen aus ehemaligen Sowjetrepubliken wie eben der Ukraine mit Sicherheitsgarantien der Westmächte verknüpfte, eine wichtige Rolle im Buch spielt. Dieses Abkommen hat, wie der Angriff Russlands auf die Ukraine zeigt, keinen Frieden geschaffen und überhaupt spielen atomare Bedrohungen laut Plokhy auch in unserer Gegenwart noch eine wichtige Rolle. Der Autor zeigt das unter anderem mit Blick auf den Abschreckungseffekt, den das russische Atomarsenal im Ukrainekrieg spielt und der dazu geführt hat, dass der Westen die Ukraine nur zögerlich und mit veralteten Waffen unterstützte. Speckmann enthält sich in seiner Besprechung zwar Werturteilen, scheint Plokhys Ausführungen jedoch durchweg mit Gewinn gelesen zu haben.
Buch in der Debatte
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