Florian Botello

Das knappe Gut Arbeit

Automatisierung, Arbeitskräftemangel und sozialer Konflikt
Cover: Das knappe Gut Arbeit
Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783518128152
Broschiert, 254 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Angesichts von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz wird allerorten vor massiven Arbeitsplatzverlusten gewarnt. Gleichzeitig reißen die Klagen über Fachkräftemangel nicht ab, zahllose Stellen bleiben unbesetzt, und dem Pflegesektor droht der Kollaps.Florian Butollo geht diesem Paradoxon auf den Grund und analysiert, warum gerade Automatisierung immer mehr Arbeit schafft - und damit zur Keimzelle eines neuen sozialen Konflikts wird: Die anbrechende Ära der Arbeitskräfteknappheit ist geprägt vom Leiden an Überlastung und den Kämpfen dagegen. Zugleich stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Arbeit neu: Wofür wollen wir angesichts sozialer und ökologischer Krisen künftig unsere Arbeitskraft einsetzen - und welche Tätigkeiten können verschwinden?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.08.2026

Rezensentin Renate Kraft schätzt Florian Butollos Buch über die Zukunft der Arbeit. Während alle Welt davon redet, dass uns die KI irgendwann alle Arbeitsplätze wegnimmt, argumentiert der Soziologe eigentlich in die andere Richtung, vermittelt Kraft: dass es zukünftig viel zu viele Arbeitsplätze für zu wenig Menschen gibt, und zwar auch durch die KI bedingt. Denn, so bekommt Kraft schlüssig von Butollo erklärt: noch immer muss die KI erst entsprechend geprompt und ihre Ergebnisse kontrolliert werden, und gerade im Pflegebereich, wo sich demografisch bedingt der Bedarf noch weiter erhöhen wird, helfen Roboter nur sehr bedingt weiter. Auch die Prognose des Autors, dass diese Situation zwar einerseits die Verhandlungsposition der Beschäftigten stärken könnte, andererseits die Arbeitsbedingungen verschlechtern, verfolgt Kraft gespannt und scheint die Umschulungs- und Umverteilungsvorschläge Butollos theoretisch sinnig zu finden. Nur auf praktischer Ebene macht sie sich Sorgen, wie realisierbar diese Aufstockung des Dienstleistungssektors ist - gewiss dürften Umschulungen etwa vom LKW-Fahrer zum Altenpfleger zu persönlichen Krisen führen, die wiederum die politische Orientierung nach rechts befeuern könnten. Hier besteht auf jeden Fall noch Bedarf für "weitergehende Überlegungen", schließt sie.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 18.06.2026

Wichtige Analysen über die Zukunft der Arbeit legt der Soziologe Florian Butollo laut Rezensent Constantin Hühn vor. Den Befürchtungen, KI werde unser aller Arbeitsplätze vernichten, schließt sich dieses Buch dezidiert nicht an. Ganz im Gegenteil: Butollo prognostiziert, dass in Zukunft eher mehr als weniger gearbeitet wird, und da die Bevölkerung in naher Zukunft schrumpfen wird, wird das die Gesellschaft vor große Probleme stellen. Warum wird demnächst mehr gearbeitet? Weil Modernisierungsschübe wie KI die Gesellschaft komplexer machen und außerdem Nebenfolgen wie den Klimawandel zeitigen, all das wird, so Butollo, möglichen Arbeitsplatzabbau im Zuge der KI-Revolution mehr als ausgleichen. Sollen wir also in der Tat mehr arbeiten? Nicht wenn es nach Butollo geht, er empfiehlt stattdessen, die Arbeit besser zu verteilen und wichtige gesellschaftliche Bereiche wie die Pflege zu rekommunalisieren. Allzu konkret wird er in dieser Hinsicht nicht, auch fragt sich Hühn, wie realistisch solche Vorschläge sind. Soweit sich Butollo darauf beschränkt, über die Zukunft des Arbeitsmarkts nachzudenken, liest der Rezensent das Buch jedoch mit viel Gewinn.

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