Aus dem Französischen von Joachim Unseld. Jenen Sommerabend, an dem Argentinien und die Niederlande um den Einzug ins Finale der Fußballweltmeisterschaft spielen, verbringt Jean-Philippe Toussaint in seinem Arbeitszimmer auf Korsika. Draußen tobt ein Unwetter, es ist dunkel, der Strom ist ausgefallen. Aus einem kleinen Transistorradio tönt die aufgeregte Stimme eines italienischen Kommentators, es gibt Elfmeterschießen, Maxi Rodriguez setzt zum Schuss an, die Fans jubeln... Lebensnahe, dem Autor eigentlich wesensfremde Bilder beginnen, sich mit seinen Romanwelten zu überlagern und vergrabene Erinnerungen wachzurufen: An grünen Rasen im Flutlicht, einen gebrochenen Arm und kindliche Tränen, Puplic Viewing in Japan - fünf Weltmeisterschaften. "Fußball" ist eine mit autobiografischen Abschweifung versehene Liebeserklärung eines Intellektuellen an eine der wenigen Leidenschaften, die neben der Literatur Bestand hat: Fußball.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.03.2016
Rezensent Christoph Schröder jubelt: Jean-Philippes neues Buch "Fußball" ist nicht einfach ein Sportbuch, sondern sehr gelungene Literatur. Energie- und sprachgeladene Bilder strömen dem Kritiker in dieser Geschichte einer Fußball-Sozialisation entgegen, lesen wir, die nicht nur erste Erlebnisse auf dem Bolzplatz oder den Besuch des ersten Weltmeisterspiels schildern, sondern auch faszinierende Begegnungen mit dem Fremden offenbaren, etwa wenn der belgische Schriftsteller von seiner langen Japan-Reise erzählt. Hier schreibt einer nicht nur leicht, klug und ernst über den Sport, sondern auch über das Vergehen der "flüchtigen Schönheit" eines Augenblicks, schließt der hingerissene Rezensent.
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