Die Lebensdaten Senghors 1906 bis 2001 - schließen ein ganzes Jahrhundert ein. Die Spuren des Mannes, der Abgeordneter in der französischen Nationalversammlung, Staatssekretär der französischen Regierung und Präsident von Senegal war, sind vielfältig und tief. Als Dichter und Theoretiker der Negritude führte Senghor den Kampf gegen die kulturelle Fremdbestimmung Afrikas und für die Wiedergewinnung der bedrohten Afrikanität. Keiner hat begeistertere Brücken zwischen Schwarzafrika und Europa gebaut als L.S. Senghor, Dichter, Kulturtheoretiker, Kämpfer für friedlichen Ausgleich zwischen Nord und Süd, schrieb die Presse in ihrem Nachruf. Doch gab es nicht nur Zustimmung für Senghors Wirken, und den Opponenten ging sein Kampf nicht weit genug. Onkel Tom nannten sie ihn verächtlich und sahen in ihm ein reines Produkt des französischen Kolonialismus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.08.2006
Gaby Mayr macht ihrem Unmut Luft darüber, dass der senegalesische Politiker, Bürgerrechtler und Poet Leopold Senghor dem deutschen Leser erst jetzt, hundert Jahre nach seiner Geburt, zugänglich gemacht wird. Dies, obwohl, wie sie erklärt, sein Einfluss auf die antikoloniale Bewegung in Afrika dem Mandelas vergleichbar sei. Mayr folgt dem Text in seiner biografischen Darstellung und lobt die von Janos Riesz vorgenommene Engführung von Senghors literarischem Werk und dessen Philosophie (der Negritude) und Politik als insgesamt "überzeugend". Die Darstellung der senegalesischen Kolonialgesellschaft findet Mayr "aussagekräftig". Ein klein wenig enttäuscht scheint sie darüber, dass das Buch die weltweiten Diskussionen der Unabhängigkeitsbewegung und den "afrikanischen Aufbruch" zwar analysiert, Senghors Geschichte jedoch damit enden lässt, obwohl er nach einem weiterhin sehr engagierten Leben erst 2001 verstarb.
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